Es wird wieder warm: Sichert eure Fenster und Balkone!

Laut Kalender hat vor ein paar Tagen der Frühling begonnen. Das ist auch die Zeit, in der es langsam wärmer wird, die Fenster und Balkone wieder ordentlich Frischluft in unsere vier Wände lassen. Und leider auch eine Zeit, in der die Unfallrate bei Katzen steigt. Denn nicht nur wir, auch Katzen möchten gerne die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut spüren. Aber ungesicherte Fenster und Balkone sind für Katzen eine große Gefahr, die leider oft unterschätzt wird!

So sind die Monate April bis September auch die Monate im Jahr, in denen Tierarztpraxen alljährlich wieder zahlreiche Verletzungen durch Stürze zu Gesicht bekommen[1,2]. Dabei sind sie einfach zu vermeiden – wenn wir Fenster und Balkone katzensicher machen.

Wenn die Instinkte übernehmen, wird die Katze unvorsichtig

Auch als Haustiere haben sich unsere Katzen ihre Instinkte bewahrt. Sie steuern sie immer noch genau so wie vor über zehntausend Jahren. Schnelle Bewegungen, fliegende oder rennende Beutetiere sind ein Anlass, alle Vorsicht zu vergessen. “Hinterher!” ist dann oft das Einzige, das noch im Kopf der Katze vorgeht. Der Jagdinstinkt unserer Katzen ist beachtlich. Und er kann selbst schon durch ein im Wind flatterndes Blättchen geweckt werden.

Auch der Fortpflanzungsinstinkt unkastrierter Tiere ist nicht zu unterschätzen: Wer die Duftmarken eines potentiellen Fortpflanzungspartners wahrnimmt, den halten gekippte Fenster oder niedrige Balkonbrüstungen nicht auf. Für viele unserer Katzen aber gilt schlicht das alte Sprichwort “Die Neugier ist der Katze Tod“. Mit Dummheit haben Stürze aus Fenstern oder von Balkonen rein gar nichts zu tun! Zwar machen jüngere Katzen unter drei Jahren knapp die Hälfte der betroffenen Katzenpatienten aus[1,2], dennoch sind auch ältere Katzen nicht vor solchen Stürzen gefeit.


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Das Verletzungsrisiko ist auch bei niedriger Fallhöhe sehr groß

Stürzen Katzen erst einmal aus dem Fenster oder vom Balkon, kommen nur die wenigsten gänzlich unverletzt davon[2]. Dabei sind niedrige Fallhöhen von zwei bis drei Metern für die Katze am gefährlichsten[3]. Denn auch wenn die Katze einen ausgezeichneten Dreh- und Stellreflex hat, braucht sie ausreichend Zeit, sich im Fall zu drehen.

Ist die Zeit des Sturzes zu kurz, landet die Katze nicht auf den Pfoten – sondern auf dem Rücken oder der Seite[1,3]. Die Folgen sind Verletzungen des Beckens, der Beine und des Brustkorbs[1]. Auch innere Organe und der Kiefer werden bei Fensterstürzen häufig verletzt[1].

Herkömmliches Fliegengitter hält Katzenkrallen nicht stand!

Um Fenster katzensicher zu machen, eignen sich herkömmliche textile Fliegengitter nicht: die Katze kann sie einfach zerkratzen. Stattdessen sollten wir stabileres Gewebe nutzen – zum Beispiel “PetScreen“. Dieses kann – in gekaufte oder selbst gebaute Rahmen eingespannt – der Katze ein sicheres Sonnenbad ermöglichen.

Weitere Tipps und Anleitungen erhältst du in meinen beiden Artikeln zur Absicherung von Fenstern und Dach- bzw. Schwingfenstern.

Doch auch Stürze aus großen Fallhöhen sind für die Katze nicht ungefährlich – aber leider so häufig, dass die Veterinärmedizin dafür einen entsprechenden Fachbegriff hat: “High-rise Syndrome“. Dieses fasst Verletzungen als Folge eines Sturzes aus mindestens der zweiten Etage zusammen[2]. Laut Literatur überleben die meisten Katzen solche Stürze, tragen aber häufig gleich mehrere Verletzungen davon[2].

Und diese Verletzungen haben es in sich: sie betreffen vor allem Brustkorb, Maul und Kiefer, sowie Becken und Schädel, samt innerer Organe[2]. Die meisten Katzen sind danach in einem gefährlichen Schockzustand, der dringend tiermedizinisch behandelt werden sollte.

Das Kippfenstersyndrom hat schwerwiegende Folgen

Doch selbst das Lüften der Fenster in Kippstellung birgt Gefahren für die Katze. Versucht die Katze aus Neugier oder Gewohnheit durch den V-förmigen Spalt zwischen Fenster und Fensterrahmen zu klettern, kann sie sich einklemmen. Sie findet am glatten Plastik keinen Halt und rutscht immer tiefer in das spitze V. Je mehr sie sich wehrt, umso tiefer rutscht sie.

Fensterschutzkeile bieten ein ideales Trittbrett nach draußen

Um den V-förmigen Spalt zwischen Fenster und Fensterrahmen zu entschärfen, werden im Handel sogenannte “Fensterschutzkeile” angeboten. Sie werden einfach in den unteren Teil des Spalts gesteckt und verhindern so, dass die Katze immer weiter hinein rutscht. Leider haben sie den Nachteil, dass sie der Katze eine ideale Trittfläche bieten: Mit ihnen verhindern wir zwar, dass die Katze sich einklemmt – aber nicht, dass sie durchs Fenster entwischt.

Besser eignen sich stabile Gitter, welche das Fenster oben und an den Seiten umschließen. Oder Fensterriegel, durch die wir den Spalt des gekippten Fensters so schmal einstellen können, dass die Katze nicht mehr hindurch passt. Mehr dazu im Blogartikel “Fensterstürze vermeiden, Kippfenster absichern“.

Auch hier gibt es wieder einen veterinärmedizinischen Fachbegriff, weil die Verletzungen so häufig vorkommen: das Kippfenstersyndrom. Die daraus resultierenden Verletzungen reichen von Quetschungen der Organe über Nervenschäden bis hin zu Lähmungen der Hinterbeine[1]. Nicht selten endet das Ganze tödlich. Inkontinenz ist ebenso eine häufige Folge des Kippfenstersyndroms: Die Katze kann dann Urin- und Kotabsatz nicht mehr kontrollieren.

Werden Blutzufuhr und Nerven zu lange eingeschränkt, können Lähmung und Inkontinenz dauerhaft bleiben. In manchen Fällen ist durch eine langwierige tierärztliche Behandlung in Kombination mit guter Physiotherapie aber Besserung zu erreichen. Dennoch bleiben nicht wenige Katzen ihr Leben lang eingeschränkt.


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Die Katze springt aus dem Stand bis zu zwei Meter hoch und nutzt jede noch so kleine Lücke

Niedrige Balkonbrüstungen, Lücken oder Löcher im Katzennetz: die Katze findet jede Schwachstelle in der Balkonabsicherung. Manche Katze beißt Katzennetze sogar kurzerhand ganz durch – aus diesem Grund sollten wir für unseren katzensicheren Balkon ein bissfestes, drahtverstärktes Netz wählen. Und dieses auch bis ganz nach oben fest installieren: denn Katzennetze sind ideale Kletterhilfen.

Werden sie straff gespannt, kann die Katze wunderbar daran hochklettern. Werden sie nicht straff gespannt, schreckt das die Katze meist vom Klettern ab: sie mag nicht gerne in wackeligen Netzen hängen. Jedoch ist dann die Gefahr groß, dass die Katze das Netz einfach herunterziehen und durch Lücken entkommen kann. Es ist also egal, ob wir das Netz straff oder wackelig anbringen: der obere Teil des Balkons sollte ebenso lückenlos sein. Selbst dann, wenn das heißt, dass wir ein Netzdach bauen oder nach innen gerichteten Überkletterschutz anbringen müssen.


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Wer sein Katzennetz mit Spannstangen, Deckenstützen oder Haken an den Seiten sichert, sollte hier ebenso Vorsicht walten lassen: Katzen quetschen sich durch die kleinsten Lücken! Ein Spalt mit mehr als fünf Zentimeter Breite lädt die Katze geradezu dazu ein, sich hindurchzuquetschen.

Tipps zur Sicherung von Balkonen

Bei der Sicherung des Balkons sollten wir auf UV-stabiles Material setzen: Seilen, Netzen und Kabelbindern macht die Witterung im Lauf der Zeit ordentlich zu schaffen. Wer keinen Balkon über sich hat, kann den eigenen Balkon mit Netzdach oder nach innen gerichteten Winkeln am oberen Ende von Spannstangen sichern. Mauer- oder Geländerklemmen sorgen dafür, dass Stangen an ihrem Platz bleiben.

Im Blogartikel “Wie ich unseren Balkon ohne zu bohren mit einem Katzennetz gesichert habe” zeige ich dir, wie ich unseren Balkon katzensicher gemacht habe.

Doch selbst wer all diese Tipps beherzigt, dem kann die Witterung immer noch einen Strich durch die “Katzensicher-Rechnung” machen: Sonneneinstrahlung, Kälte, Regen und Frost lassen das Material von Netzen, Seilen und Stangen mit der Zeit ermüden. Es gilt also, unseren katzensicheren Balkon regelmäßig nicht nur auf Schwachstellen, sondern auch auf Materialermüdung zu testen.

Quellen und weitere Infos

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