Coronavirus SARS-CoV-2 / COVID-19: Ist mein Haustier gefährdet?

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hält derzeit die ganze Welt in Atem. Zahlreiche Medien titeln in ihren Schlagzeilen fälschlicherweise von infizierten Haustieren. So schüren sie unnötige Ängste in der derzeit ohnehin schwierigen Lage. Zwar wurde in weltweit tausenden untersuchten Proben von Haustieren tatsächlich in extrem wenigen Einzelfällen Virus-RNA gefunden ‐ dies bedeutet jedoch nicht, dass die Tiere infiziert wären oder das Virus auf den Menschen übertragen könnten. Eine vorschnelle Abgabe des Haustieres ins Tierheim ist also gänzlich unnötig, wie dieser Artikel zeigen soll.

SARS-COV 2

Das SARS-CoV-2 gehört zur Familie der Coronaviren. Diese Virengruppe ist bereits seit Jahrzehnten bekannt und hat ihren Ursprung in Säugetieren.

Virusnachweise bei Tieren: Einzelfälle mit teilweise verwirrenden Umständen

Das Wichtigste vorweg: Mehrere Untersuchungen an tausenden von Haustieren zeigen, dass diese nur in extrem wenigen Fällen positiv getestet werden[14,15,18] ‐ und dass trotz engem Kontakt zu infizierten und stark erkrankten Haltern.

In den letzten Wochen wurden vereinzelte Fälle bekannt, in denen verschiedene Haustiere oder ihre Ausscheidungen positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden[17,18,24]. Dies betrifft vor allem (Groß-)Katzen[18,19,20,21,23,26]. Aber auch Frettchen und Hunde können sich mit SARS-CoV-2 anstecken[17,18,24]. In allen Fällen hatten die Tiere Kontakt zu infizierten Haltern bzw. Pflegern. Teilweise wiesen sie selbst Erkrankungssymptome wie Atemnot, Husten und Niesen auf, teilweise jedoch zeigten sie sich äußerlich vollkommen gesund.

Problematisch ist, dass teilweise nur Ausscheidungen und Schleimhäute der Tiere und nicht ihr Blut auf das Virus getestet wurden[12,13,18]. Ob diese Tiere wirklich infiziert oder nur kontaminiert waren, wurde mit den entsprechenden Tests nicht nachgewiesen[12,13,17,18]. Dabei ist dies ein wichtiger Unterschied ‐ den leider zahlreiche Medien bei ihren Schlagzeilen nicht berücksichtigen. Letztlich unterschieden auch nicht alle Tests zwischen “infektiösem Virus” und “totem Virus” (= nicht ansteckend)[18].

Teilweise Ungeklärt, aber wichtiger Unterschied: Infektion oder Kontamination?

Screenshots verschiedener Medien zu Haustieren und Covid-19

Denn bei einer Kontamination ist das Tier selbst nicht infiziert, es ist nur durch das Virus “verunreinigt”. Dies kann beispielsweise durch An-Husten, An-Niesen oder per Übertragung durch (ungewaschene) Hände passieren. Ähnlich wie es auch bei Oberflächen geschieht, z. B. Türklinken. In diesem Fall würde es sich um eine “Kontaminierung” handeln. Das Virus könnte sich nicht vermehren und nicht durch die kontaminierten Tiere übertragen werden.

Erst, wenn das Virus in den Körper und das Blut des Tieres gelangt, sich dort vermehrt, spricht man von “Infizierung”. Und auch erst dann bestünde theoretisch die Möglichkeit, dass das Tier auch für den Menschen ansteckend sein könnte[23].




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Untersuchungen zum Infektionsrisiko sind leider auch nicht immer verlässlich

Bei derzeit weltweit über 22 Millionen infizierten Menschen [Stand: 19.08.2020][16] und vereinzelt positiv getesteten Proben von Haustieren kann weiterhin nicht von einer Gefahr durch Haustiere ausgegangen werden.

Zwar verleiten die Ergebnisse einer neuen Studie aus China zu der These, Frettchen und Katzen ‐ besonders jüngere ‐ könnten sich mit SARS-CoV-2 anstecken und sogar untereinander verbreiten. Jedoch ist diese Studie und ihre Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Denn weder wurden ihre Durchführung und Ergebnisse ‐ wie in Wissenschaftskreisen eigentlich üblich ‐ wissenschaftlich überprüft, noch entspricht eine Ansteckung unter Laborbedingungen der in einer häuslichen Umgebung[18].

Experten für Virologie halten weiterhin an ihrer Einschätzung fest, dass Haustiere bei der SARS-COV-2-Pandemie keine Rolle spielen[23,24].

SARS-CoV-2: Keine Hinweise auf Ansteckung durch Haustiere

WHO-Erklärung: Kein Beweis für Ansteckung mit Coronavirus von Haustieren

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Haustiere das SARS-CoV-2 verbreiten. Die weltgrößten Gesundheitsbehörden WHO, CDC und ECDC geben offiziell bekannt, dass Haustiere derzeit nicht mit Ansteckung mit dem SARS-CoV-2 auf Menschen in Verbindung gebracht werden[3,4,5,6,8,9,10,11]. Auch das “european advisory board on cat diseases” (“Europäisches Beratergremium für Katzenkrankheiten”) sieht es in seiner offiziellen Leitlinie ebenso[25].

Da Viren jedoch schnell mutieren können und der derzeitige Wissensstand zum SARS-CoV-2 nicht abschließend ist, kann sich diese Einschätzung in Zukunft ändern. Dabei bedeutet eine Mutation nicht zwangsläufig, dass das Virus ansteckender oder tödlicher wird – auch das Gegenteil kann der Fall sein[2].

Letztlich bedeutet “keine Hinweise darauf” auch nicht, dass dies nicht möglich ist oder zukünftig möglich werden könnte. Es bedeutet lediglich, dass noch kein solcher Fall nachgewiesen werden konnte.




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“Ansteckend für Haustiere” ≠ “Ansteckend für den Mensch”

Bei all diesen verwirrenden Tests, Studien und Einzelfällen ist Eines wichtig zu wissen: Nur, weil sich (Haus-)tiere bei infizierten Menschen anstecken können, gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass sie selbst wiederum Menschen anstecken. Ob eine Infektion durch Haustiere stattfinden kann, ist derzeit gänzlich ungeklärt. Verschiedene Experten halten dies derzeit jedoch für eher unwahrscheinlich[17,19,22,23].

Zwar deutet vieles auf Fledermäuse als Quelle des SARS-CoV-2 hin, jedoch verläuft die Infizierung momentan nur von Mensch zu Mensch. Auch vereinzelte Virusfunde an / in Haustieren ändern diese Einschätzung derzeit nicht.

Wie gehe ich mit meinem Haustier um, wenn ich selbst mit SARS-CoV-2 infiziert bin?

Auch wenn es keine Hinweise darauf gibt, dass Haustiere den Menschen anstecken können, ist eine Übertragung anders herum möglich. Dabei sind Katzen und Frettchen scheinbar empfänglicher als Hunde, sich beim Menschen anzustecken. Nicht nur bei Verdacht auf eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 ist grundlegende Hygiene im Umgang mit Haustieren wichtig ‐ auch im normalen Alltag sollte darauf Wert gelegt werden.

Bist du als Halter nachweislich infiziert, solltest du diese Hygieneregeln ebenfalls einhalten. Die offiziellen Empfehlungen [28,29,30] zum Umgang zwischen nachweislich infiziertem Halter und empfänglichen Haustier sprechen sich für Folgendes aus:

  • Vermeidung von engem Kontakt zu Katzen und Frettchen: Kein Küssen, kein Essen-Teilen, kein Ablecken-lassen
  • Versorgung des Tiers durch andere Personen im selben Haushalt, Ist dies nicht möglich -> auf Handhygiene und Niesetikette achten, Gesichtsmaske tragen
  • Das Tier nicht in den Freigang entlassen, in einen anderen Haushalt oder ins Tierheim abgeben (Infektionsgefahr für andere Tiere!)
  • Test des Tiers in Absprache mit zuständigem Veterinäramt, nicht unangemeldet zum Haustierarzt gehen
  • Ist das Tier nachweislich infiziert -> 14-tägige Quarantäne & Meldepflicht

Diese Maßnahmen sind nur dann nötig, wenn ein im Haushalt lebender Mensch positiv auf das SARS-CoV-2 getestet wurde. Es wird nicht empfohlen, das Tier aus bloßem Verdacht oder reiner Ängstlichkeit testen zu lassen oder ihm den Freigang zu verwehren.

Keine Verbindung mit dem Felinen Coronavirus oder FIP

Innerhalb der großen Familie der Coronaviren gibt es Eines, das speziell Katzen betrifft: das Feline Coronavirus (FCoV). Schätzungen zufolge sind 20 ‐ 90 % aller Katzen davon betroffen[1]. Das heißt, sie tragen es in sich und können andere Katzen damit anstecken. Es löst in der Regel nur leichte Durchfallsymptome aus, viele infizierte Katzen zeigen jedoch keinerlei äußerliche Anzeichen.

Aus bisher unbekannten Gründen kann dieses eigentlich harmlose Virus in seltenen Fällen (etwa 5%[1]) mutieren. Das mutierte Virus (FIPV) löst dann die lebensbedrohliche Krankheit Feline infektiöse Peritonitis (FIP) aus. Da die Erforschung einer erfolgreichen Therapie gegen FIP derzeit noch in den Kinderschuhen steckt, sterben viele Katzen daran.

Wichtig!

Weder das FCoV noch das mutierte FIPV oder das CCoV (Hunde-Coronavirus) stehen in Verbindung mit der derzeitigen SARS-CoV-2-Krankheitswelle. Menschen können sich nicht mit diesen Viren anstecken und Katzen bekommen durch andere Coronaviren keine FIP!

Forschung am neuen Coronavirus vielleicht auch für die Katze von Vorteil?

Derzeit wird das Mittel “Remdesivir” als erfolgversprechende Behandlung bei COVID-19 für den Menschen näher erforscht. Dieses Mittel ist beinahe identisch mit GS-441524, welches seit etwa zwei Jahren zur Heilung von FIP bei Katzen eingesetzt wird.

Genau genommen wird GS-441524 als Grundlage für die Herstellung von Remdesivir genutzt. Der Pharmakonzern Gilead Sciences stellt Remdesivir her und hat es abgelehnt, GS-441524 für die Behandlung von Tieren freizugeben. Dies führte dazu, dass es nur auf dem chinesischem Schwarzmarkt verkauft wird und Tierärzte es nicht offiziell einsetzen dürfen.

Sollte sich Remdesivir als erfolgreiche Therapie bei COVID-19 herausstellen und eine offizielle Zulassung erhalten, könnte dies dazu führen, dass GS-441524 und/oder Remdesivir auch durch Tierärzte legal eingesetzt werden kann[27]. Dazu müsste eine sogenannte “Umwidmung” erfolgen. Dadurch kann ein Arzneimittel für Menschen auch bei Tieren eingesetzt werden. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Wirkung von Remdesivir gegen FIP noch nicht geklärt ist[27].

Gut zu wissen

Die Versorgung mit Futter und veterinärmedizinischen Leistungen ist bis auf Weiteres gesichert. Auch in der Coronakrise sind Tierbedarfsläden und Tierärzte weiterhin für uns da!

Quellen und weitere Infos

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Ein Kommentar

  1. Hallo Miriam!
    Danke für diese tollen Tipps, wie ich mich und meine Katze schützen kann. Hygiene ist eben alles. Ich wünsch euch allen Gesundheit und gutes Durchhalten. Wir schaffen das!

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