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Kastration

Inhalt zuletzt aktualisiert am: 22.01.2015

Auch, wenn leider selbst heutzutage Tierärzte noch andere Aussagen treffen, gehört die Kastration von Kater und Katze zur artgerechten Haltung dazu. Da sowohl Katze, als auch Kater bereits ab dem 4. Lebensmonat geschlechtsreif werden können, sollte die Kastration zeitnah geschehen, um Rolligkeit, Markieren und unerwünschten Nachwuchs zu verhindern. In der Regel findet die Kastration zwischen dem 5. und 12. Lebensmonat statt, sie ist jedoch bereits etwa ab der 6. Lebenswoche möglich (sogenannte Frühkastration).

Die Kastration sollte durchgeführt werden, bevor die Katze das erste mal rollig wird und markiert. Dieser Eingriff ist eine Routineoperation und die Tiere sind meist noch am selben Tag wieder fit.

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der Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation:

Es hält sich immer noch hartnäckig die Meinung, dass der Unterschied zwischen Sterilisation und Kastration vom Geschlecht des jeweiligen Tieres abhängig ist: Eine Katze würde sterilisiert, ein Kater kastriert. Dies ist jedoch falsch!

Der Unterschied zwischen diesen beiden operativen Methoden ist das verbleibende sexuelle Verlangen: Bei der Sterilisation wird lediglich die Unfruchtbarkeit herbeigeführt, die Rolligkeit und das Verlangen beim Kater mit all seinem Potenz- und Dominanzgehabe bleibt jedoch bestehen. Rein körperlich ist das Tier nur nicht mehr in der Lage, Nachwuchs zu zeugen bzw. zu bekommen. Der Wille und das Verlangen danach ist jedoch immer noch da. Eine Kastration jedoch beendet die Fruchtbarkeit und den hormonell ausgelösten Sexualtrieb. Da eine Sterilisation keinerlei Verhaltensänderung und Stressabbau bewirkt, wird sie heute kaum noch durchgeführt.

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Frühkastration

Als Frühkastration wird die Kastration einer Katze oder eines Katers bezeichnet, die zwischen der 6 und 14. Lebenswoche stattfindet. Die Erfahrungen zeigen, dass in diesem Alter die Operation und Narkose besser vertragen werden als zu einem späteren Zeitpunkt und sich die Tiere früher wieder vom Eingriff erholen12. Besonders Züchter, Tierheime und Pflegestellen lassen ihre Abgabetiere frühkastrieren, um einer unkontrollierten und unerwünschten Vermehrung vorzubeugen.

Der Vorteil für den zukünftigen Abnehmer liegt darin, dass er sich um die Durchführung und Kosten einer späteren Kastration keine Gedanken mehr machen muss. Zudem fällt das Risiko, den "richtigen" Zeitpunkt für die Kastration seines neuen Lieblings zu verpassen, ganz weg. Immer wieder werden mögliche Folgeschäden oder Gesundheitsrisiken der Frühkastration debattiert. Mittlerweile sind zahlreiche Studien (auch Langzeit-Studien mit einer großen Anzahl an untersuchten Tieren) zu diesem Thema durchgeführt worden.

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Unterschiede im Verhalten frühkastrierter und zu einem späteren Zeitpunkt kastrierter Katzen konnten nicht beobachtet werden236 16. Beide Gruppen von Tieren zeigten im Gegensatz zu unkastrierten Tieren eine stärkere Bindung an den Menschen und weniger Aggressionen und Dominanzverhalten gegenüber Artgenossen1281011. Genauso wie später kastrierte Tiere behalten frühkastrierte Katzen einen ausgeprägten Jagdtrieb7, bei beiden Gruppen verringerte sich die Neigung zum Streunen, zu Rangkämpfen und zu extremem Revierverhalten.

Eine Neigung zu "kindlichem" Verhalten der Katzen im Zusammenhang mit der Frühkastration konnte widerlegt werden147. Einzig eine möglicherweise erhöhte Neigung zu Ängstlichkeit wird in seltenen Fällen im Zusammenhang mit Frühkastrationen vermutet, Untersuchungen dazu zeigten jedoch keinen Zusammenhang2616. Ein erhöhter Einfluss auf eventuell vermehrte Krankheitsanfälligkeit konnte nicht nachgewiesen werden1236. So soll sogar das Risiko von felinem Asthma und Ginvitis bei frühkastrierten Tieren vermindert2 sein.

Harninkontinenz nach der Kastration konnte, wie von Kritikern der Frühkastration befürchtet, bei Katzen ebenfalls nicht beobachtet werden10. Laut Studien wurde keine erhöhte Neigung frühkastrierter Tiere zu Übergewicht oder Harnwegserkrankungen festgestellt128. Veranlagung und falsche Fütterungsgewohnheiten, sowie Bewegungsmangel werden als Auslöser dieser Erkrankungen betrachtet.

Der Einwand, dass Körpergröße und geringeres Körpergewicht bei der Frühkastration zu Komplikationen und einem schwieriger durchzuführenden Eingriff führen würde, konnte durch die Praxis widerlegt werden811. Frühkastrationen sollten sogar einfacher durchzuführen sein als Kastrationen im späteren Alter: die Durchblutung der Organe sei noch nicht so ausgeprägt, ausserdem wäre weniger Bauchfett vorhanden1. Das Risiko von Komplikationen während des Eingriffs war zum Vergleich mit später durchgeführten Kastrationen nicht erhöht14 56.

Ein weiterer Vorteil ist die schnellere Abheilung der Kastrationswunden und die schnellere Erholung der Tiere von der Narkose12. Bei frühkastrierten Tieren liege die Erholungsphase durchschnittlich bei etwa 3 Stunden, bei später kastrierten Tieren etwa bei 72 Stunden. Ein weiterer positiver Effekt der Frühkastration zeigt sich im Zusammenhang mit der Entstehung von Gesäugetumoren und Gebärmutterentzündungen. Eine frühe Kastration habe laut Untersuchungen vorbeugende Wirkung1.

Ebenso konnte kein negativer Einfluss der Frühkastration auf das Wachstum und die Ausbildung des sogenannten "Katerkopfes" nachgewiesen werden. Im Gegenteil werden frühkastrierte Tiere in der Regel ein wenig größer als ihre später kastrierten Artgenossen12411.

Die frühe Kastration wirke sich laut Studie auf das Schließen der Wachstumsfugen in den Röhrenknochen der Tiere aus und verzögere diese, wodurch die Tiere länger wachsen und größer werden4. Kritiker vermuteten, dass durch das spätere Schließen der Wachtumsfugen ein erhöhtes Risiko von Knochenbrüchen entstehen könne. Beobachtungen aus der Praxis widerlegten dies jedoch.

Oft wurde vermutet, dass die Frühkastration die Ausbildung der Harnröhre beeinflusst, frühkastrierte Katzen könnten aufgrund eines geringeren Durchmessers der Harnröhre stärker zu Harngries und Blasensteinen neigen. Die Untersuchung zeigte jedoch, dass dies nur bei weiblichen Tieren der Fall ist11. Männliche Tiere - die generell eher zur Bildung von Harngries neigen - hatten auch frühkastriert keinen geringeren Harnröhrendurchmesser als später kastrierte Tiere811. Welche gesundheitlichen Folgen dies für weibliche Tiere im Lebensverlauf hätte, konnte aufgrund der begrenzten Beobachtungsspanne noch nicht abgeschätzt werden.

Ebenfalls nicht abschätzbare Folgen könnte die Tatsache haben, dass die Vorhaut frühkastrierter Kater sich nicht -wie üblich- in der körperlichen Entwicklung vom Penis löst811. Natürlicherweise besteht in der ersten Lebenspanne eine "Verklebung" zwischen Penis und Vorhaut, diese bildet sich im Lauf der Entwicklung zurück. Bei frühkastrierten Katern ist dies nicht der Fall, weswegen eine Neigung zu Entzündungen und Reizungen die Folge sein könnte. Ob dies im späteren Lebensverlauf ernsthafte Probleme nach sich ziehen kann, wurde noch nicht abschließend untersucht.

Zusammenfassend werden die Vorteile der Frühkastration höher eingeschätzt als mögliche Nachteile. Experten sprechen sich immer öfter für eine Kastration in jungem Alter aus, nicht zuletzt, um die Überpopulation von Katzen zu minimieren. Insgesamt scheint eine Frühkastration - fachgerecht durchgeführt - keine nennenswerten Nachteile für die Entwicklung der Katzen zu haben.

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der beste Zeitpunkt für die Kastration

Der beste Zeitpunkt für die Kastration liegt definitiv vor der Geschlechtsreife des Tiers. Manche Tiere werden bereits mit 4 Monaten potent, andere erst sehr viel später. So sollten Katze und Kater am besten im Alter von etwa 4 - 6 Monaten kastriert werden. Die Geschlechtsreife, eine Rolligkeit, das erste Markieren oder ein bestimmtes Alter braucht dabei nicht abgewartet zu werden. Ebenso ist es unnötig, die Katze erst einmal werfen zu lassen oder nur zu bestimmten Jahreszeiten eine Kastration durchzufrühren.

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die Durchführung von Kastration und Sterilisation:

Bei der Kastration werden die Geschlechtsorgane komplett entfernt, bei der Sterilisation werden diese nur abgebunden. Bei der Kastration eines Katers werden also die Keimdrüsen (beide Hoden), bei der Katze die Eileiter, in manchen Fällen zusätzlich auch die Gebärmutter operativ entnommen. Der Vorteil einer Gebärmutterentfernung bei der Katze liegt darin, das Auftreten von Gebärmutterentzündungen und -tumoren komplett zu unterbinden89.

Bei der Sterilisation einer weiblichen Katze werden die Eileiter, bei männlichen Tieren die Samenleiter abgebunden. Vor der jeweiligen Operation wird die weibliche Katze am Bauch kahlrasiert, um das Operationsfeld entsprechend desinfizieren zu können und eine Beeinträchtigung während und nach der Op durch Haare zu verhindern. Nach der Operation wird die Wunde mit medizinischen Fäden vernäht. Oft werden spezielle Fäden verwendet, welche nicht gezogen werden müssen, sondern sich innerhalb von kurzer Zeit selbst auflösen.

Für den Wundverschluss der Kastrationsnarbe einer weiblichen Katze werden zwei Nähte benötigt: eine, die die innere Bauchhaut verschließt und schließlich eine äußere, die die Oberhaut zusammenhält. In der Regel ist nur die Letztere, die Vernähung der Oberhaut, zu sehen. Nicht selten treten nach der Kastration um die Bauchnarbe einer weiblichen Katze kleine Knubbel oder Erhebungen auf. Solange diese nicht übermäßig nässen, eitern oder gar bluten und sich innerhalb weniger Tage komplett zurückbilden, kann von einer normalen körperlichen Reaktion ausgegangen werden.

Die eröffneten Hodensäcke des Katers werden nach einer Kastrationsoperation in der Regel nicht verschlossen. Die kleinen Schnitte heilen meist auch ohne spezielle Maßnahmen. Infektionen treten eher selten auf.

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Vorsichtsmaßnahmen vor und nach der Kastration:

Wie bei jedem operativen Eingriff, welcher zwangsläufig mit einer Narkotisierung der Katze einhergeht, gilt es einige wichtige Punkte zu beachten. So sollte die Katze beispielsweise spätestens 8-10 Stunden vor dem Eingriff keine Nahrung mehr zu sich nehmen.

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Begründen lässt sich dies damit, dass ein Risiko besteht, dass die Katze während der Narkose oder kurz vor Eintritt der Narkosewirkung erbrechen und daran ersticken könnte. Weil ihre Körperfunktionen durch die einsetzende bzw. vollständige Narkose nicht mehr wie gewohnt ablaufen, kann es vorkommen, dass die Katze Erbrochenes "in den falschen Hals bekommt". Sie atmet ihr Erbrochenes ein, was zu Lungenentzündungen und gar zum Erstickungstod führen kann. Das Trinken von Wasser ist jedoch durchgängig erlaubt.

Nach der Kastration sollte das Tier ruhig und warm gehalten werden. Durch die verabreichte Narkose kann die Körpertemperatur meist nicht mehr ausreichend selbst reguliert werden. Die Nachwirkung der Narkose kann bei der Katze zu ungewohnt reduzierten oder vermehrten Sinneswahrnehmungen führen, weswegen frisch operierte Katzen oft unbeholfen und ängstlich wirken.

Erst, wenn die Katze wieder vollkommen "sie selbst" ist, sollte ihr erlaubt werden zu fressen und zu trinken. Unkoordinierte Bewegungen, Nickhautvorfall, Schwanken, vermehrtes Schlafbedürfnis und Zittrigkeit deuten darauf hin, dass die Narkose noch nachwirkt.

In manchen Fällen wird Katze und Kater nach der Kastration ein Halskragen umgelegt, um vermehrtes Beknabbern oder Belecken der Nähte und Wunden zu verhindern. Nicht immer jedoch ist eine solche Maßnahme auch nötig, manche Katzen interessieren sich nicht für Nähte und Wunden. Hinzu kommt, dass der Kragen - zusätzlich zu den Schmerzen und Missempfindungen nach der Operation - ungewohnte Einschränkungen nach sich ziehen kann. Eine gute Alternative zum Halskragen können Schlauchverband oder ein angepasster Babybody sein. (siehe "die kranke Katze -> der Kragen/Trichter")

Häufig sind Kater bereits wenige Stunden nach der Kastration wieder vollkommen fit und müssen nicht besonders behandelt werden. Katzen dagegen haben mit dem Eingriff meist länger "zu kämpfen": der operative Eingriff und die damit verbundene Wunde sind ja auch entsprechend größer.

Wichtig ist es, möglichst darauf zu achten, dass die Katze in der ersten Zeit nach der Operation nicht springt. Dies ist besonders in den ersten Stunden zu überwachen. Durch den Sprung könnte die Wunde beeinträchtigt werden oder gar aufreißen. Die Nachwirkungen der Narkose können dazu führen, dass die Katze sich beim Sprung verschätzt und verunfallt.

Hat die Katze allerdings die Nachwirkungen der Narkose hinter sich, so darf sie auch wieder springen, auch, wenn ihre Wunde noch nicht verheilt ist. Meist wissen Katzen selbst sehr genau, was sie sich zutrauen können. Schmerzt die Wunde beim Sprung doch einmal, wird die Katze beim nächsten Sprung größere Vorsicht walten lassen.

Sofern die Katze dies zulässt, kann eine regelmäßige Kontrolle der Bachnarbe durchgeführt werden. Bei Katern ist dies aufgrund der schnell verschlossenen und zudem winzig kleinen Wunde nicht nötig. In der Regel verheilt die Narbe problemlos innerhalb von etwa 14 Tagen und es zeigen sich keine Komplikationen durch Infektionen. Vorraussetzung für die zuverlässige Abheilung der Narbe ist es selbstverständlich, dass sie nicht durch vermehrtes Springen oder Belecken unnötig belastet wird.

In den seltenen Fällen von Infektionen an der Bauchnarbe, allergischen Reaktionen auf das Nahtmaterial oder aus der Wunde austretenden Körperflüssigkeiten (Blut, Eiter, Wundwasser) ist selbstverständlich eine Untersuchung und Behandlung beim Tierarzt notwendig. Besonders bei derartigen Wunden ist es nicht selten, dass eine zu spät erkannte Entzündung sich im Bauchraum ausbreitet.

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Kastration während der Trächtigkeit / Trächtigkeitsabbruch

Ein sehr heikles Thema sind Trächtigkeitsabbrüche bei der Katze. Manchmal soll oder muss eine Trächtigkeit unterbrochen werden, um gesundheitliche Schäden für Muttertier und/oder Kitten zu vermeiden. Dies ist besonders häufig bei zu jungen oder erkrankten Mutterkatzen der Fall. Trägt die Mutterkatze Gendefekte in sich oder ist von einer Infektionskrankheit befallen, kann es durchaus Sinn machen, die Trächtigkeit abzubrechen. Aber auch bei Streunerkatzen oder Hauskatzen, von denen kein Nachwuchs erwünscht ist, kann ein solcher Eingriff durchgeführt werden.

Medizinisch gesehen ist der Trächtigkeitsabbruch etwa durch einen operativen Eingriff oder die Eingabe von Medikamenten bis kurz vor der Geburt der Kitten möglich. Manche Tierärzte weigern sich jedoch, einen solchen Eingriff durchzuführen. Besonders dann, wenn die Trächtigkeit weit fortgeschritten ist.

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ein wichtiger Aspekt: die Kastrationspflicht

In einigen Städten und Gemeinden in NRW und Niedersachen gibt es sie bereits: die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Hauskatzen. Da die Population freilebender Streunerkatzen immer mehr zugenommen hat und die Kapazitäten der Tierheime und privaten Pflegestellen von Kittenschwemmen regelrecht gesprengt wurden, entschied man sich 2008 in Paderborn als Erste diese richtungsweisende Änderung an der Kommunalverordnung vorzunehmen.

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Seitdem sind weitere Gebiete hinzugekommen, die ebenfalls der unkontrollierten Vermehrung von Streunerkatzen einen Riegel vorschieben möchten.

Katzen die Freigang genießen, müssen demnach eindeutig durch Chip und/oder Tätowierung gekennzeichnet und kastriert werden. Wer sich nicht daran hält, kann mit einem Bußgeld von bis zu 500€ und einer Ordnungswidrgkeitenanzeige bestraft werden. Ausnahmen gibt es nur für Züchter und auch nur dann, wenn Kontrolle und Versorgung aller Tiere glaubhaft versichert werden können. Selbst Menschen, die freilebende Katzen regelmäßig füttern sind verpflichtet, die Tiere entsprechend der Verordnung kastieren und kennzeichnen zu lassen.

Weiterführende Informationen zur Kastrationspflicht finden sich im Bereich Tierschutz, im Teilbereich "Kastrationspflicht freilaufender Hauskatzen"

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Kastration ist Tierschutz und Gesundheitsprophylaxe und erhöht die Lebensdauer der Katze..?!

Wer sich einmal im Tierschutz engagiert oder einfach nur mal ein Tierheim besucht hat, wird feststellen, dass es Unmengen von heimatlosen Katzen gibt. Diese müssen beherbergt und artgerecht versorgt werden, was nicht nur enorme finanzielle, sondern auch menschliche Ressourcen verschlingt. Jede unnötig geborene Katze verschlimmert dieses Leid noch. Es gibt zahlreiche Quellen für Beispieltabellen über die mögliche Nachkommenanzahl eines unkastrierten Elternpaares. Wer sich diese Zahlen einmal eingehend angesehen hat, sollte schon allein deshalb seine Katzen und Kater kastrieren lassen.

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Doch nicht nur das Leid unkastrierter Katzen außerhalb unseres Zuhauses sollte uns zu denken geben, sondern auch das Leid und Wohl unserer eigenen Katzen. Kastrierte Katzen haben eine längere Lebensdauer als unkastrierte Verteter ihrer Art [1]. Das Risiko von Krebs- und Geschlechtserkrankungen1910 und die Gefahren von unvorsichtigem und draufgängerischem Verhalten während der "Verliebtheits-Phase", sowie alle damit verbundenen gesundheitlichen (teilweise sogar tödlichen!) Folgen können verringert werden

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Risiken und mögliche Folgen einer Kastration

Gesundheitliche Risiken scheint es bei der Kastration der Katze kaum zu geben. Wie bei allen operativen Eingriffen besteht natürlich ein gewisses Narkoserisiko. Gesunde Katzen mit einem guten Allgemeinzustand scheinen davon jedoch kaum betroffen zu sein. (siehe "die kranke Katze -> Narkoserisiko").

Studien haben gezeigt, dass kastrierte Katzen eine höhere Neigung zu Übergewicht haben und daraus resultierend zu Gelenkserkrankungen und Diabetes10. Jedoch wurde auch bewiesen, dass kastrierte Katzen erst in Verbindung mit Bewegungsmangel und falschen Fütterungsgewohnheiten dicker werden128. Die Kastration alleine macht also nicht dick. Dass übergewichtige Katzen ein erhöhtes Risiko haben, an Diabetes und Gelenkserkrankungen zu leiden ist nicht neu. Die Neigung dicker, kastrierter Tiere zu Diabetes sei bis zu 9 mal höher als die unkastrierter Tiere10.

An sich bringt die Kastration zusammenfassend also keine negativen Folgen. Erst wenn Vorerkrankungen, schlechter Gesundheitszustand und nicht katzengerechte Haltung und Ernährung zusammenspielen, kann die Kastration gesundheitliche Folgen haben.

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Vorteile der Kastration von Katzen

Die Kastration zeigt bei Katzen sowohl im Hinblick auf das Verhalten als auch die körperliche Gesundheit viele positive Effekte. Kastrierte Katzen sind menschenbezogener und anhänglicher1281011. Sie streunen weniger, ihr Dominanz- und Revierverhalten verringert sich8. Die Kastration scheint ebenso einen positiven Einfluss auf das Markierverhalten zu haben: kastrierte Tiere neigen weniger dazu, ihr Revier durch Urin und Kot "abzustecken"810.

Dadurch, dass für sie der Stress der ausgeprägten Rang- und Revierkämpfe wegfällt und auch keine Deckakte mehr stattfinden, ist für kastrierte Katzen das Risiko an ansteckenden Infektionskrankheiten wie FelV oder FIV zu erkranken deutlich geringer10. Auch Verletzungen durch Revierkämpfe fallen deutlich weniger zahlreich und ausgeprägt aus.

Kastrierte Katzen haben in der Regel ein kleineres Revier und neigen nicht mehr dazu, kopflos (weil hormongesteuert) weite Wegstrecken auf der Suche nach einem Partner zurückzulegen. Daraus folgt auch ein vermindertes Risiko, bei weiten Streifzügen überfahren, eingesperrt oder verletzt zu werden oder sich in fremdem Territorium zu verirren.

Studien sprechen von einer Verminderung von Gesäugetumoren von bis zu 89% bei Kastrationen vor dem ersten Lebensjahr und einer vollkommenen Unterdrückung von Gebärmutterentzündungen und Eierstockstumoren810. Laut Untersuchungen seien unkastrierte Katzen allgemein 7mal häufiger von Gesäugetumoren betroffen als kastrierte Tiere. Insgesamt sollen kastrierte Tiere eine längere Lebensspanne haben als intakte Tiere8.

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Vorurteile und Mythen rund um die Kastration

die Katze soll vor der Kastration einmal rollig werden/werfen ?!

Diese leider weit verbreitete Aussage ist ein Irrglaube. Eine Geburt bzw. Rolligkeit bringt das Tier in seiner Entwicklung nicht weiter, birgt jedoch enorme Risiken in sich. So kann es beispielsweise passieren, dass die Katze ab der Geschlechtsreife anfängt zu markieren und sich dieses Verhalten auch nach erfolgter Kastration nicht mehr legt. Zudem könnte sie bei der Geburt ihrer Kitten sterben oder bei der Deckung schwer erkranken. Mal ganz abgesehen von den Krankheiten, die bei einer Deckung übertragen werden können, ist der Deckakt für die Katze schmerzhaft und unangenehm.

Nicht zuletzt ist eine Rolligkeit für die Katze unglaublicher Stress. Meist wird weniger gefressen und geschlafen. Alles ist auf eine gewollte Deckung konzentriert und die Katze vernachlässigt alles andere. Unsauberkeit, Fluchtversuche, ständiges, markerschütterndes Geschrei, Krankheitsanfälligkeit und teilweise auch Aggression können Begleiterscheinungen einer Rolligkeit sein.

Katzen können auch "still rollen", dabei stößt sich zwar kein Geschrei aus, ist jedoch vom Verhalten her meist völlig verändert und gestresst.

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Meine Katze/mein Kater lebt nur in der Wohnung, er/sie muss nicht kastriert werden!?

Manche Katzenhalter sind der Meinung, dass Katzen, welche ausschließlich in der Wohnung gehalten werden, nicht kastriert werden müssten. Spätestens aber, wenn lautes Geschrei während der Rolligkeit und unerträglich beißender Gestank der markierenden Tiere die ersten Beschwerden von Nachbarn und Vermieter nach sich ziehen, sollte Jedem klar sein, dass eine Kastration der Tiere nicht nur zur Verhütung ungewollten Nachwuchses dient. Die Kastration bewirkt darüber hinaus noch viele andere wichtige Veränderungen, welche das Zusammenleben zwischen den Katzen und seinem Menschen, sowie die Gesundheit der Katzen betreffen.

Unkastrierte Tiere markieren ihr Zuhause mit Urin und Kot, auch Unsauberkeit ist bei potenten Tieren nicht selten. Der Urin solcher Tiere riecht streng und zieht in Möbel, Tapeten, Teppiche und Fußböden ein. Ist das eigene Zuhause erst einmal mit diesem Duft durchzogen, lässt sich der stechende Geruch häufig gar nicht mehr entfernen. Möbel, Teppiche, Tapeten und Bodenbeläge müssen entsorgt und Gegenstände, welche zu reinigen sind mit speziellen Entdufter-Präparaten behandelt werden.

Das Schreien rolliger Katzen geht sprichwörtlich "durch Mark und Bein", ist sowohl tagsüber, als auch nachts zu vernehmen und macht vor Wänden und Türen keinen Halt: Auch die Nachbarn werden sich (in ihrer Nachtruhe) belästigt fühlen! Eine solche Belästigung (akkustisch und geruchlich) ist ein Abmahnungsgrund und kann zu einer Kündigung des Wohnverhältnisses oder zum Verbot der Katzenhaltung führen!

Doch nicht nur solche Gründe sprechen dagegen, die eigene Katze/den eigenen Kater in der Wohnung unkastriert zu lassen: das Zusammenleben unkastrierter Tiere mit anderen Tieren ist oft durch Streitigkeiten, Dominanzgehabe, Mobbing und großem Stress getrübt. Nicht selten versuchen potente Tiere durch die Wohnungstür oder gekippte/geöffnete Fenster zu entwischen. Ist die eigene Katze verschwunden, verletzt oder beim Ausbruchsversuch gar tödlich verunglückt, entwickelt sich meist späte Reue.

Auch die gesundheitlichen Gefahren des ständigen Hormonüberschusses sind besonders bei weiblichen Katzen nicht zu unterschätzen. Dauerrolligkeit, Gebärmutterentzündungen, Gesäugekrebs und chronische Unsauberkeit gefährden das Leben der Katze. Das Zusammelben zwischen Mensch und Katze kann sich durch eine Kastration positiv verändern. Kastrierte Tiere sind oft anhänglicher, weniger aggressiv und vor allem nicht ständig gestresst.

Wer also seiner Katze ein ruhigeres, gesünderes, stressfreieres und längeres Leben bieten möchte, sollte sie kastrieren lassen, ob sie ausschließlich in der Wohnung lebt oder nicht.

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Nur Kater müssen kastriert werden, denn nur sie markieren...?!

Auch Katzen können bei eintretender Geschlechtsreife anfangen zu markieren. Ein besonders wichtiger Grund, auch weibliche Katzen zu kastrieren liegt aber in gesundheitlichen Gründen: Durch die ständige Überproduktion von Hormonen bei der Rolligkeit kann sich eine sogenannte Dauerrolligkeit entwickeln, bei der die Katze extrem häufig und lange rollig wird bzw. dieser Ausnahmezustand gar nicht mehr vorübergeht.

Selbst wenn die Katze nicht dauerrollig wird, begünstigt der häufige Hormonumschwung die Entwicklung von Krebs und krankhafter Veränderungen, Tumore der Gebärmutter sowie der Gesäugeleisten18910.

Auch die psychischen Auswirkungen der Potenz bei Katzen und Katern sollten hier eine Rolle spielen: Kastrierte Tiere sind meist ausgeglichener, ruhiger und weniger aggressiv als potente Tiere. Sie haben weniger Druck und Stress und das Zusammenleben mehrerer kastrierter Tiere ist entspannter. Rang- und Dominanzgehabe verringern sich meist810.

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Ich möchte, dass meine Katze einmal die Mutterfreude erleben darf..?!

Die "Mutterfreude" einer Katze ist nur aus rein menschlicher, emotionaler Sicht ein Gewinn. Für die Katze bringt dies keine Vorteile oder Entwicklungsbegünstigungen, es bringt ihr nur Nachteile und unnötige Risiken. Tatsächlich wird diese Aussage meist von uninformierten oder egoistischen Menschen getätigt, die keinerlei Ahnung von der Praxis einer Deckung oder der Aufzucht von Katzen haben.

Katze mit Kastrationsnarbe

Katze mit Kastrationsnarbe

Fakt ist, dass jede vollführte Deckung für eine Katze schmerzhaft und unangenehm ist, denn der Penis eines Katers ist mit Widerhaken versehen, der bei Beendigung des Deckaktes schmerzhafte Wunden in den Vaginalbereich der Katze reißt. Zudem ist auch das Risiko von übertragbaren Krankheiten beim Deckakt besonders gegeben. Katzenhalter, die diese mittelalterliche Meinung vertreten, wissen meist nicht einmal, welche eventuellen Krankheiten es diesbezüglich gibt bzw. welche davon ihre Katze haben könnte.

Auch Dinge wie Blutgruppenunverträglichkeit, Gendefekte, Missbildungen, Kittensterblichkeit, Steißlagen, Kaiserschnitte oder fehlender Milchfluss bei der Mutterkatze gilt es zu bedenken, wenn man sich entscheidet, seine Katze werfen zu lassen.

Die Aufzucht der geborenen Kitten kann einen vor ungeahnte Probleme stellen. Nicht zuletzt ist auch der Kosten- und Zeitfaktor einer Geburt mit Aufzucht nicht zu unterschätzen! Entgegen landläufiger Meinung lässt sich mit der Zucht von Katzen kaum viel Geld verdienen, schon gar nicht mit nicht-reinrassigen Katzen ohne Papiere. Selbst viele professionelle Züchter zahlen manchmal mehr, als sie durch den Verkauf der Kitten verdienen.

Katzenzucht ist ein verantwortungsvoller, komplexer Bereich, der gründlich vorbereitet und begleitet werden muss und keineswegs "mal eben so nebenher" läuft!

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Das Tier entwickelt keine typischen Merkmale/ entwickelt sich nicht weiter bei einer frühen Kastration..?!

Welche Merkmale eine Katze ausbildet ist abhängig von den ihr mitgegebenen Genen. Es gibt keine Studie die belegt, dass Kastrationen vor der Geschlechtsreife des Tiers seine Entwicklung negativ beeinflussen. Auch kastrierte Katzen wachsen weiter und entwickeln sich arttypisch12346711.
Probleme wie Mangelernährung, Gendefekte und schwerwiegende Krankheiten können Wachstum und Entwicklung eines Tieres beeinträchtigen, nicht jedoch eine rechtzeitige Kastration.

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eine Frühkastration bringt Folgeschäden mit sich

Tatsächlich kann eine Frühkastration sowohl für weibliche als auch männliche Tiere Auswirkungen haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass der Durchmesser der Harnröhre bei frühkastrierten weiblichen Katzen geringer ist als jener von später kastrierten Tieren. Eine zu früh durchgeführte Kastration bewirkt, dass sich die Vorhaut des Katers nicht wie bei einer normalen Entwicklung vom Penis löst, was Reizungen und Entzündungen zur Folge haben kann. In wie weit beide Aspekte jedoch Einfluss auf spätere medizinische Probleme haben, konnte noch nicht abschließend festgestellt werden.

Weder wirkt sich eine Frühkastration auf die geistige oder körperliche Entwicklung, noch auf das Risiko von Übergewicht oder ein schwaches Immunsystem aus. Allgemein wird die Frühkastration unter Experten als positiv eingeschätzt (siehe Abschnitt "Frühkastration").

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Wenn mein Kater kastriert ist, muss ich mir keine Gedanken um Nachwuchs mehr machen..?!

Auch nach der Kastration ist ein Kater noch etwa 6 Wochen lang fruchtbar und kann erfolgreich decken. Dies gilt es zu beachten, wenn Katze und Kater sich begegnen und/oder in den Freigang entlassen werden.

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Meine Katze bekommt "die Pille", sie wird nicht kastriert

Auch für Katzen gibt es hormonelle Verhütungsmethoden, beispielsweise als Tablette zum Eingeben, als Hormonspritze1415 oder als Chip-Implantat. Diese Art der Verhütung ist besonders bei Züchtern beliebt, um die Vermehrung ihrer Tiere zu planen oder zu verhindern. Hormonelle Verhütungsmethoden sind jedoch aufgrund der teilweise erhöhten Risiken zu körperlichen Folgeschäden nur für eine begrenzte kurze Zeit sinnvoll. So sind Nebenwirkungen langfristiger hormoneller Verhütung bei der Katze beispielsweise Diabetes, Gebärmuttererkrankungen, Nierenerkrankungen, Veränderungen an den Milchleisten, Fellverfärbungen und Gewichtszunahme1213.

Demnach ist diese Art der Verhütung bei Katzen, die nicht zur Zucht eingesetzt werden sollen, langfristig gesehen wenig sinnvoll. Zwar unterdrückt sie Rolligkeiten und ungewollte Trächtigkeiten, kann die Katze aber nicht vor den negativen Folgen des erhöhten Hormonspiegels bewahren. Bei Liebhabertieren also sollte eine Kastration erfolgen.

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Eine Kastration ist während der Rolligkeit gefährlicher..?!

Diese Aussage ist auch unter Tierärzten umstritten. Tatsächlich ist die Durchblutung der Gebärmutter und Eierstöcke während der Rolligkeit erhöht, das Risiko eines erhöhten Blutverlustes ist hier wesentlich größer als bei einer Kastration im nicht-rolligen Zustand.

Manche Tierärzte empfinden die erhöhte Durchblutung als Hilfestellung beim Eingriff, manchen Tierärzten ist das Risiko eventueller Blutungen zu hoch. Nicht jeder Tierarzt wird also eine rollige Katze kastrieren. Nichtsdestotrotz kann eine Kastration während der Rolligkeit manchmal nötig sein, beispielsweise, wenn sie gar nicht mehr oder nur zu kurz abklingt (Dauerrolligkeit).

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Eine Kastration ist widernatürlich und Tierquälerei..?!

Widernatürlich im eigentlichen Sinne des Wortes (nämlich: gegen die Natur) ist die gesamte Katzenhaltung. Die Einstellung, man würde das Tier seiner Sexualität und damit einem positiven oder zumindest nötigen Lebensaspekt berauben, ist nicht nur unsinnig, sondern zeugt auch von mangelndem Wissen!

Wie bereits mehrfach erwähnt, ist die Sexualität einer Wohnungs- oder Freigängerkatze kein nötiger, ja sogar ein stressverursachender und unangenehmer Teil ihres Lebens. Unkastriert ist die Katze nicht nur mehr Risiken ausgesetzt, sondern steht ständig unter "Dauerdruck", welchen sie nicht abbauen kann und darf. Dies ist widernatürlich und Tierquälerei!

Eine unkastrierte Katze ist den ständigen Gefahren von Geschlechtskrankheiten, Revierkämpfen und ausgedehnten Partner-such-aktionen ausgesetzt. Dabei wird auch die viel befahrene Hauptstraße nicht mehr mit dem gehörigen Respekt betreten, sondern es wird nur Fokus auf eine mögliche Deckung gelegt. Es ist nicht unüblich, dass triebgesteuerte Katzen totgefahren am Straßenrand liegen oder schwer verletzt nach Hause kommen, falls sie nach Hause kommen (können oder wollen).

Auch in reiner Wohnungshaltung ist ein potentes Tier nicht ungefährdet oder leicht zu händeln. Es wird Fluchtversuche unternehmen und mit ständigem Miauen und Markieren alle anderen Mitbewohner regelrecht tyrannisieren. Es wird unausgelastet sein und alle möglichen und unmöglichen Unarten (z.B. Unsauberkeit, Aggressivität) entwickeln. Da potente Tiere ranghöher als kastrierte Tiere sind, kann es sowohl im Haus als auch bei Freigang zu gewaltigen Problemen im Sozialgefüge kommen. Zumal es sowieso angesichts der alljährlichen Kittenschwemme unverantwortlich ist, sein Tier unkastriert in den Freigang zu entlassen.

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Ich lasse meinem Kater den Spaß, er kann schließlich nicht trächtig werden

Besonders von Männern wird oft das Argument angebracht, der Kater müsse nicht kastriert werden, da er nicht trächtig werden könne. Zum Teil ist das sicher richtig: trächtig kann der Kater beim Deckakt nicht werden. Er kann sich jedoch genauso wie die weibliche Katze beim Deckakt und bei Revierkämpfen mit Infektionskrankheiten anstecken, die letztlich zu einem qualvollen Tod führen können.

Zudem besteht das Risiko, dass er sein Revier, somit auch die eigene Wohnung mit Urin und Kot markiert. Bei weiten Streifzügen sucht er nach passenden, paarungswilligen Katzen. Auf diesen Streifzügen wird er sicherlich auch Strassen passieren, sich weit von seinem Zuhause entfernen. Damit ist er dem Risiko ausgesetzt, eingesperrt, überfahren oder verletzt zu werden.

Ein Kater, der nur "das Eine" im Sinn hat, achtet nicht mehr auf Gefahren oder seinen Nachhauseweg.

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Ich lasse meinem Kater den Spaß, sollen doch die anderen ihre Katzen kastrieren

Halter, die die Verantwortung für das Verhindern einer Überpopulation von Katzen in andere Hände geben wollen, bringen manchmal dieses unüberlegte Argument. Wie in den beiden vorherigen Punkten beschrieben, verhindert die Kastration aber nicht nur die Vermehrung von Katzen. Sie kann auch der eigenen Katze dabei helfen, keine unnötigen gesundheitlichen Risiken einzugehen.

Nicht zu Letzt sollte angemerkt werden, dass Deutschlands Strassen vor allem von unkastrierten streunenden Katzen und Katern bevölkert werden. Hinter ihnen steht kein Halter, der für eine Kastration zuständig wäre. Eine solche Einstellung hat dazu geführt, dass Tierheime und Pflegestellen jedes Jahr erneut von Wellen ungewollter kleiner, kranker Kitten überrollt werden.

Tierschutz beginnt immer vor den eigenen Füßen!

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Kastrierte Katzen werden dick und faul..?!

Kater Muffin mit Kastratenbauch

Ein Kastratenbauch besteht aus überschüssiger Haut und nicht aus Fettgewebe

Häufig wird dieses Argument gegen die Kastration eingebracht. Ob eine Katze dick wird oder nicht, hängt allein von dem Verhältnis zwischen Nahrungsaufnahme und Energiebedarf ab8. Oft wird der sogenannte "Kastratenbauch" (auch "Fettschürze" genannt) mit einer Übergewichtigkeit der Katze in Verbindung gebracht. Dies ist jedoch nicht richtig: Wie bei uns Menschen auch, gibt es Katzen, die ein schwaches Bindegewebe haben, wodurch bestimmte Hautpartien schneller ausleiern und hängen, so entsteht der Kastratenbauch. Er hat also nichts mit Übergewicht zu tun.

Dadurch, dass Katzen nach der Kastration keinem Dominanzgehabe und ständigen Rangkämpfen mehr frönen, hat es den Anschein, dass sie fauler geworden sind. Passt man die Ernährung ihrem verändertem Bewegungsdrang nicht an, können sie dick werden. Das kann aber nicht nur bei Kastration, sondern auch im Alter geschehen und man kann entsprechend entgegenwirken.

Auch kastrierte Katzen spielen durchaus gern und haben noch genauso viel Unfug im Kopf wie potente Tiere. Wie sich ein Tier im Lauf seines Lebens entwickelt, ob es beispielsweise ruhiger wird oder lebhaft bleibt, hängt nicht mit der Kastration zusammen.

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kastrierte Katzen haben keinen Jagdtrieb mehr

Auch, wenn kastrierte Katzen in der Regel ruhiger werden, keinen ausgeprägten Sinn für Revierstreitigkeiten und Dominanzverhalten mehr haben, ist ihr Jagdtrieb auch nach der Kastration weiterhin vorhanden78.

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Mein Tierarzt weigert sich, vor der ersten Rolligkeit/den ersten 6 Monaten/dem Beginn der Geschlechtsreife zu kastrieren

Bei allem guten Willen als Halter wird man leider gar nicht mal so selten mit Tierärzten konfrontiert, die eine nötige Kastration nur unter bestimmten Vorraussetzungen vornehmen wollen. Ob eine bestimmte Gewichts- oder Altergrenze, die erste Rolligkeit oder die ersten Anzeichen von Potenz vorrausgesetzt werden: rein biologisch ist eine solche Meinung leider nicht mehr zeitgemäß.

Katzen und Kater können bereits ab der achten Lebenswoche kastriert werden, ohne, dass besondere Risiken oder eine beeinträchtigte Entwicklung zu befürchten ist. Denn auch dies wird neben den angeblich zu kleinen anatomischen Gegebenheiten als Grund für eine Weigerung vorgebracht: das Tier soll sich bei einer frühen Kastration (physisch oder psychisch) nicht arttypisch entwickeln.

Dies ist jedoch nicht der Fall. Fehlende Weiterbildung, festgefahrene Strukturen oder Unwissenheit lassen so manchen Tierarzt jedoch trotzdem in diesem Glauben. Je nach Vertrauen und sonstiger Kompetenz sollte man als verantwortungsvoller Halter, ungeachtet der Meinung des Tierarztes, dennoch auf eine rechtzeitige (frühzeitige) Kastration bestehen.

Als Halter des Patienten sollte man auf die Behandlungen und Eingriffe bestehen (dürfen), welche man für richtig und nötig erachtet. Im Zweifelsfall hilft der Wechsel zu einem anderen, moderner eingestellten Tierarzt. Die Weigerung, junge, nicht ausgewachsene Tiere zu kastrieren kann auch darauf begründet sein, dass Erfahrung und Sicherheit in diesem Bereich fehlt (was natürlich nicht gerne zugegeben wird): ein weiterer Grund, sich einen kompetenteren Tierarzt zu suchen.

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Der Tierarzt sagt, erst im Frühling muss die Katze kastriert werden, denn im Winter würden sich Katzen nicht fortpflanzen

Dieser Irrglaube beruht darauf, dass sich Katzen in den dunklen, kalten Wintermonaten nicht fortpflanzen. Dies ist jedoch weder bei Freigängern und schon gar nicht bei Wohnungskatzen der Fall. Dadurch, dass das Heim einer Katze das ganze Jahr über wohltemperiert ist, kommt eine solche Pause nicht vor. Auch im Winter sind Kater und Katzen potent, rollig und dazu in der Lage, sich fortzupflanzen! Es sollte also nicht erst der Frühling abgewartet werden, bevor eine Kastration stattfindet. Zudem sich auch Gesäugetumore, Gebärmutterentzündungen, Dauerrolligkeit, Potenzgehabe, Rangkämpfe und Markiererei im Winter entwickeln können.

Nicht selten wurde ein Katzenhalter, dessen Katzen (vielmehr ihr Hormonhaushalt) sich nicht an die angebliche "Winterpause" gehalten haben, von einem Wurf Kitten überrascht! Und seltenst wird ein Tierarzt, der vorher einen derart fahrlässigen Rat gegeben hat, sich seiner Verantwortung bewusst sein und dem Halter helfend unter die Arme greifen.

Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Folgen - wie etwa Infektionskrankheiten - die durchaus auch im Winter bei Deckung und Revierstreitigkeiten übertragen werden und nicht wieder rückgängig zu machen sind.

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Im Bereich Erfahrungsberichte findet sich ein Bericht zum Thema Gebärmutterentzündung aufgrund von Dauerrolligkeit.

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Quellen/weiterführende Infos

1: siehe "Early Spay-Neuter: Clinical Considerations": (Link in der Linkliste)

2: siehe "Early Age Altering of Kittens": (Link in der Linkliste)

3: siehe "Long-term risks and benefits of early-age gonadectomy in cats.": (Link in der Linkliste)

4: siehe "Early Sterilization in Dogs and Cats": (Link in der Linkliste)

5: siehe "Short-term results and complications of prepubertal gonadectomy in cats and dogs.": (Link in der Linkliste)

6: siehe "Long-term outcome of gonadectomy performed at an early age or traditional age in cats.": (Link in der Linkliste)

7: siehe "Effects of prepubertal gonadectomy on physical and behavioral development in cats.": (Link in der Linkliste)

8: siehe "EARLY NEUTERING OF THE DOG AND CAT ": (Link in der Linkliste)

9: siehe "Association between ovarihysterectomy and feline mammary carcinoma.": (Link in der Linkliste)

10: siehe "Gesundheitliche Vor? und Nachteile der Kastration von weiblichen und männlichen Tieren bei Hunden und Katzen": (Link in der Linkliste)

11: siehe "Frühkastration von Katzen unter Tierschutzgesichtspunkten": (Link in der Linkliste)

12: siehe "Proligeston - Unerwünschte Wirkungen": (Quelle: www-vetpharm.uzh.ch)

13: siehe "Medroxyprogesteron - Unerwünschte Wirkungen": (Quelle: www-vetpharm.uzh.ch)

14: siehe "Progress in development of immunocontraceptive vaccines for permanent non-surgical sterilization of cats and dogs.": (Link in der Linkliste)

15: siehe "Long-term fertility control in female cats with GonaCon™, a GnRH immunocontraceptive.": (Link in der Linkliste)

16: siehe "Development of behavior in adopted shelter kittens after gonadectomy performed at an early age or at a traditional age": (Link in der Linkliste)

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