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Vom antiken Stärkesymbol zum viralen Internetmeme – Sonderausstellung „Kult Katze!“

Vor mir starrte eine Katze ins Leere, die seit etwa zweitausend Jahren tot ist. Dass ich mitten in Bremen einmal Auge in Auge mit einer echten ägyptischen Katzenmumie stehen würde, hätte ich vor ein paar Tagen selbst noch nicht gedacht. Doch da stand ich, getrennt nur durch eine dünne Glasscheibe und schaute nachdenklich in ihre nachgebildeten Augen. Bei dem Gedanken, dass dieses Tier vor zwei Jahrtausenden vielleicht noch schnurrend bei irgendwem auf dem Schoß lag, bekam ich doch ein bisschen Gänsehaut. Direkt daneben: ihr hölzerner, zweiteiliger Sarg. So gut erhalten, als hätte er nicht schon Jahrhunderte auf dem Buckel.

Dieser Anblick hat mich über den gesamten Nachmittag unseres Ausstellungsbesuchs innerlich begleitet. Denn wir haben unseren letzten Sonntag mit einem wirklich interessanten Besuch im Bremer Überseemuseum, genauer gesagt in der Sonderausstellung „Kult Katze!“ verbracht.

Sonderausstellung „Kult Katze!“: Zahlen, Daten, Fakten
Im Überseemuseum Bremen | Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen (direkt neben dem Hauptbahnhof Bremen)
Ausstellungszeitraum: 10.10.2026 – 30.05.2027
Eintritt: 10 € (Erwachsene); 5 € (6 – 17 Jahre)
Mehr Infos: https://www.uebersee-museum.de/ausstellung/kult-katze

Knapp 300 Ausstellungsstücke aus drei Kontinenten und vier Jahrtausenden

Bei der Planung unseres Ausstellungsbesuchs bin ich noch davon ausgegangen, lediglich einen unterhaltsamen Nachmittag im Überseemuseum zu verbringen und ein paar neue Eindrücke mitnehmen zu können. Schließlich kennen wir alle die Geschichte der Katze: altes Ägypten, Katzenverbrennungen im Mittelalter, dann Nutztier „Mäusefänger“ und schließlich geliebtes Familienmitglied – oder?

Die Sonderausstellung „Kult Katze!“ hat mir dann aber gezeigt, dass die Beziehungsgeschichte zwischen Katzen und Menschen so viel mehr umfasst! Knapp 300 Exponate zeigen die unterschiedlichen Aspekte und ihre Entwicklung im Lauf der Zeit. Die Geschichte der Exponate umfasst dabei die Kontinente Asien, Afrika und Amerika und deckt vier Jahrtausende ab.

Kontrastreiche Exponate als Spiegel einer ambivalenten Katze-Mensch-Beziehung

Mir ist dabei vor allem der extrem starke Kontrast dieser Entwicklung im Kopf geblieben: Vom schweren Zeremoniengewand mit Tigerstickerei ausschließlich für Kaiser zum massengefertigten, knallbunten Plastikkatzen-Kitsch fürs heimische Dekoregal. Vom beeindruckenden Löwen-Ritualbett aus dem Grab des Tutanchamun, über katzenförmige Talismane bis zum digitalen Katzenmeme. Nicht zu vergessen die Katzendisco, in der die Lasershow Pophits im Katzenstil untermalt.

Auf den ersten Gedanken will das alles irgendwie nicht zusammen passen – auf den zweiten Gedanken ist die Ausstellung damit aber ein perfekter Spiegel für die ambivalente Beziehung zwischen Mensch und Katze im Lauf der Jahrtausende. „Verehrt und gefürchtet, mystifiziert und vermenschlicht, wild und vertraut“ bringt es der Ausstellungsführer für mich perfekt auf den Punkt.

Vielfalt im Blickwinkel ausgedrückt durch Vielfalt in den Ausstellungsstücken

Jeder Ausstellungsraum und dessen Exponate steht dabei unter einem anderen Motto: „Die schützende Katze“, „Die dämonische Katze“, „Die aufmüpfige Katze“ usw. Auch die Vielfalt der Ausstellungsstücke macht klar, dass wir Menschen im Lauf der Jahrtausende immer mal wieder einen anderen Blickwinkel auf Groß- und Kleinkatzen hatten: wollten die Menschen im Altertum Katzen noch als Grabbeigabe oder kunstvoll verziertes Gewand ganz nah bei sich haben, wurde sie später zum Symbol der Unabhängigkeit und des Protests, zum verehrten Kunstmotiv oder billigen Dekorationsobjekt.

So umfasst die Ausstellung neben den angesprochenen Gewändern, Grabbeigaben und Mumien auch verschiedenste Gemälde, Masken, Statuen und ausgestopfte Tieren in allen Größen. Auch wenn Letzteres für mich mit einem merkwürdigen Bauchgefühl verbunden war, hinterlassen die unterschiedlichen Größenverhältnisse doch einen bleibenden Eindruck: So beeindruckend die Größe des Tigers, so vertraut die Gestalt der Falbkatze – die Vorfahrin unserer Hauskatzen. Denn tatsächlich ist sie nicht größer als jede normale Hauskatze. Und sogar um einiges kleiner als heutige Maine Coon.

Lernen nicht nur mit den Augen: Audioknöpfe, Videomonitore und Quiz-Terminals

Ab und zu übertönt ein leises Schnurren, ein spitzes Miauen oder ein lautes Brüllen das murmelnde Hintergrundgeräusch der Ausstellungsräume: Jemand probiert gerade die interaktiven Quiz-Terminals, die Videomonitore oder einen der vielen Audio-Knöpfe aus. Schonmal das zirpige Schnurren eines Gepards gehört? Ich jetzt schon. So kommen sogar (große und kleine) Menschen auf ihre Kosten, die mit mehr als nur dem Auge lernen.

Abgerundet wird die Ausstellung durch zahlreiche verschiedene Veranstaltungen und Workshops rund um die Katze (Übersicht hier): Wir durften dem Vortrag der Biologin Dr. Diana Michler-Kozma lauschen: „Das Wilde in der Hauskatze“.

Mitmachen sehr erwünscht!

Wer gerne etwas Persönliches zur Ausstellung beitragen möchte, hat auch dazu Gelegenheit: entweder per angepinnter Grußkarte am Ende der Ausstellung oder mit eingesandten Fotos der eigenen Katzen. Sie sind im Eingangsbereich der Ausstellung an einer großen Wand verewigt. Letzteres war eines meiner persönlichen Highlights. Denn beim Durchsehen der zahlreichen Fotos habe ich doch das eine oder andere Mal über die Katzennamen geschmunzelt: „Mao Tse“, „Captain Hook“ oder „Sir Maunzalot“.

Meine drei Damen sind jedenfalls schon per Mail unterwegs an die entsprechende Museumsabteilung. Wer weiß, vielleicht seht ihr sie ja bei eurem zukünftigen Besuch 😉

Für mich war die Ausstellung letztlich nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich. Und meiner Meinung nach solltet ihr direkt die Tageskarte auch für den Rest des Museums kaufen: für 5 € Aufpreis bekommt ihr einen unvergesslichen Tag in einem extrem facettenreichen Museum! Von mir ein klares „Lohnt sich!“

Transparenzhinweis

Ich habe das Museum von mir aus um die Erlaubnis für Foto- und Videoaufnahmen gebeten, weil der Besuch der Ausstellung privat ohnehin fest eingeplant war. Man bot mir daraufhin eine Freikarte an. Eine Pflicht zur Veröffentlichung eines Blogbeitrags gab es nicht, die inhaltliche Gestaltung des Blogberichts und meine Meinung sind auf beiderseitigen Wunsch hin unbeeinflusst. Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten, sowie die beiden Eintrittskarten für meine beiden Begleitpersonen wurden von uns privat getragen. Auch sonst gab es keine Vergünstigungen oder Vorteile durch das Museum.

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