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FelV - felines Leukämie-Virus (nicht Leukose!)

Inhalt zuletzt aktualisiert am: 11.07.2016

Das feline Leukämie-Virus - kurz "FelV" - ist ein Retrovirus, das weltweit verbreitet ist 12. Es ist ansteckend und befällt vor allem junge Katzen - ältere Katzen sind nicht so häufig betroffen, da sich mit zunehmendem Alter eine gewisse Immunität entwickelt2710. Etwa 2-10% aller Katzen in Deutschland sollen mit dem Virus infiziert sein1210, wobei sich die Zahlen in den letzten Jahren dank Impfungen, zuverlässiger Testverfahren und der Trennung der infizierten Tiere stark rückläufig entwickeln 1. Es gibt mehrere Subtypen des FelV: unter anderem die Typen "A", "B" und "C". Vor allem der Typ "A" ist für die Ansteckung der Katze von Bedeutung: es ist immer an einer Infektion bei der Katze beteiligt und befällt auch nur Katzen 1671624.

Eine Infektion mit dem FelV wird häufig auch als "Leukose" bezeichnet, dies ist jedoch irreführend und falsch (siehe "FAQ"). Eine solche Infektion kann vorübergehend ("transient") oder bestehend ("persistent") verlaufen. Viele Katzen werden trotz Ansteckung nicht krank 2, nicht allen Katzen sieht man eine Infektion auch an.

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Übertragung

Das Virus wird durch Mund und Nase der Katze aufgenommen, gelangt daraufhin ins Blut und damit in die Lymphknoten. Es setzt sich schließlich im Knochenmark ab, um sich dort zu vermehren1267. Anschließend wird es in großen Mengen ins Blut abgegeben und befällt Organe/Körperteile wie Rachen, Darm, Blase und Speicheldrüsen 1. Über diese wird es dann wiederrum ausgeschieden. Eine Übertragung ist also durch alle Körperausscheidungen bzw. -flüssigkeiten möglich: Kot, Urin, Muttermilch, Blut usw., wobei der Speichel als Hauptübertragungsmittel gilt1256789101931.

Das Virus ist nicht durch die Luft, durch Kleidung oder Schuhe übertragbar 27. Es überlebt bei Raumtemperatur nur wenige Minuten1267810, bei Feuchtigkeit (z.B. im Kot, in Wasser- und Fressnäpfen) jedoch länger. So können seltener auch Katzentoiletten, gemeinsam genutzte Fress- und Wassernäpfe mögliche Infektionsherde sein1210.

Wahrscheinlicher ist jedoch der direkte Kontakt von Katze-zu-Katze durch Raufen, Beißen oder Putzen1247810. Kitten können durch die Muttermilch und durch das Putzen der Mutterkatze infiziert werden 2. Auch ungenügend sterilisiertes Operationsbesteck ist ein möglicher Übertragungsweg 1. Die Reinigung mit einfachem Haushalts-Desinfektionsmittel tötet das Virus in der Umgebung und im Zubehör der Katze ab 57.

Verlaufsformen

Es gibt mehrere Formen einer Ansteckungen mit dem FelV. Entweder überwindet die Katze das Virus, noch bevor es sich im Körper ausbreiten kann (sogenannte "Regressorkatzen") oder aber es breitet sich im Blut aus (sogenannte "Virämie") 16. Aber auch dann kann die Katze das Virus noch besiegen und muss nicht zwingend krank werden ("transiente" = vorübergehende Virämie) 16: auf etwa 70-75% der infizierten Katzen trifft dies zu 3456. Eine solche Infektion dauert in der Regel etwa 3 bis maximal 16 Wochen, danach hat die Katze das Virus "unschädlich" gemacht 616.

Es ist umstritten, ob das Virus danach ganz aus dem Körper der Katze verschwunden ist: es wird vermutet, dass es sich lebenslang "inaktiviert" in der Katze befindet69151621. Überwindet die Katze das Virus vor oder nach einem Eintritt ins Blut, ist sie in der Regel immun gegen eine Neuansteckung691516. Kann die Katze das Virus nicht besiegen, entwickelt sich eine persistierende (fortdauernde) Virämie, die ein Leben lang anhält. Katzen mit einer fortdauernden Virämie scheiden das Virus auch lebenslang aus 16. Eine solche fortdauernde Virämie muss nicht in einem "Krankheitsausbruch" münden, die Katze kann das Virus auch ohne äußerlich sichtbare Anzeichen in sich tragen ("latente" = versteckte Virämie).

Etwa 5-30% aller infizierten Katzen sind latent infiziert: sie zeigen keine Krankheitszeichen, sind also "versteckt" infiziert 46. Bei ihnen setzt sich das Virus im Knochenmark fest und ist nur schwer mit den herkömmlichen Untersuchungsmethoden zu finden 6. Alte Tiere sind meist immun 258 und/oder zeigen keine Krankheitsanzeichen. In seltenen Fällen kann sich bei latent infizierten, erwachsenen Katzen das Virus auch nach Jahren "reaktivieren" und sie erkranken: dies wird meist durch Stress oder einer Schwächung des Immunsystems ausgelöst 1246716.

Nur etwa ein Viertel aller infizierten Katzen zeigen auch Symptome und werden krank 4.

Begleiterkankungen und Symptome

Oft zeigen sich erste Krankheitssymptome erst Monate bis Jahre nach der Ansteckung 2 - je nach Haltungsbedingungen und Gesundheitszustand der Katze. Die häufigsten Symptome sind Blutarmut ("Anämie" = das Knochenmark produziert keine Blutzellen mehr), verdickte Lymphknoten und Immunschwächung 126789. Durch eine solche Schwächung des Immunsystems sind betroffene Katzen auch anfälliger für andere Krankheiten 2. Etwa die Hälfte der Katzen leiden an einer Anämie 4, eine solche Blutarmut ist häufig nicht heilbar 26789.

Seltener können sich auch Tumore oder Krebs wie beispielsweise Leukämie bzw. Leukose (zu viele und "fehlerhafte" weiße Blutzellen 30) entwickeln 126789. Bilden sich Tumore in den Organen, so sind sie häufig im Bauch- oder Brustraum zu finden und verursachen Atemnot, Erbrechen, Durchfall, Darmentzündungen oder Leber- bzw. Nierenerkrankungen 27. Auch Katzen, die keine Verdauungsprobleme zeigen, können das Virus mit dem Kot ausscheiden 19. Zahnfleischentzündungen ("Gingivitis") können ebenfalls Folge einer Infektion mit FelV sein 126720.

Nicht selten sind erkrankte Katzen apathisch und/oder haben neurologische Störungen 12. Betroffene trächtige Katzen haben häufig Fehl- oder Totgeburten 127810. Werden die Kitten geboren, versterben sie in der Regel recht schnell, können jedoch in einigen Fällen auch überleben. Auch eine FelV-positive Katze kann negative Kitten gebären, die meisten Kitten tragen das Virus jedoch in sich 1.

Diagnose

Leider gibt es derzeit keine Untersuchungsmethoden, die zu 100% verlässlich wären 13. So unterscheiden sich die verschiedenen Tests sowohl in ihrer Aussagekraft, als auch in der Kompliziertheit ihrer Handhabung und in ihrem Wert bei der Früherkennung einer FelV-Infektion 13. Die einzelnen Testmethoden können sich zudem auch widersprechen, weil nicht jeder Test in jedem Krankheitsstadium zuverlässig ist. Da der Erreger sich gänzlich in das Knochenmark zurückziehen kann, sind Bluttests nicht immer zuverlässig 61416: im früherem Stadium der Krankheit findet sich das Virus nur im Blut, in späteren Stadien auch in den Körperzellen oder nur im Knochenmark 1416. So gilt es, mehrere Testmethoden zu kombinieren und die Tests im angemessenen Abstand (etwa 4-6 Wochen) zu wiederholen, um größtmögliche Sicherheit bei der Diagnose zu haben.

Als Quarantänemaßnahme bei/vor der Aufnahme einer neuen Katze werden beispielsweise zwei Tests im Abstand von 2 Monaten empfohlen 5. Auch geimpfte Katzen und Kitten können mit den handelsüblichen Untersuchungen getestet werden: weder die mütterlichen Antikörper noch die durch die Impfung gebildeten Antikörper beeinflussen die Ergebnisse bestimmter Tests 911.


Blutuntersuchungen: "rotes Blutbild"

Im roten Blutbild einer mit FelV infizierten Katze können sich unspezifische Verschiebungen zeigen, die jedoch nicht nur auf FelV - sondern auch andere mögliche Erkrankungen - hindeuten können. So sollen betroffene Katzen niedrigere Werte für Hämatokrit, Hämoglobin, Erythrozyten und Thrombozyten aufweisen. Auch die Mengen an Gesamteiweiß und Kreatinin sollen niedriger sein als bei gesunden Katzen 1018.

Antikörpernachweis

Der Antikörpernachweis ist als Diagnoseinstrument für eine FelV-Infektion eher ungeeignet, kann jedoch Hinweise auf Immunität und Impfschutz geben 2. Gleich mehrere Gründe sind ursächlich dafür, dass ein Antikörpernachweis für die Diagnose einer FelV-Infektion unbrauchbar ist: zum Einen entwickeln nicht alle infizierten Katzen Antikörper, zum anderen können sie sowohl während als auch nach einer akuten Infektion gefunden werden - nicht selten sind sie sogar lebenslang nachweisbar 71015.

Auch eine latente (äußerlich nicht sichtbare) Infektion zeigt sich nicht im Antikörper-Nachweis und Testungen während der Inkubationszeit bringen falsch negative Ergebnisse hervor 56.

Schnelltest (ELISA-Snap-Test) - Antigennachweis

Der ELISA-Test wird meist als Schnelltest in der Tierarztpraxis durchgeführt: nach ungefähr 10 Minuten ist ein endgültiges Testergebnis abzulesen 13. Er weist Antigene in der untersuchten Körperflüssigkeit nach 2 und ist somit aussagekräftiger für den Nachweis einer FelV-Infektion als der Test auf Antikörper: Antikörper werden durch den eigenen Körper gebildet, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Sie sind aber eben auch noch da, wenn der Krankheitserreger längst weg ist. Antigene sind - vereinfacht gesagt - Bestandteile von Krankheitserregern: sind sie nachzuweisen, sind auch die Erreger selbst im Körper.

Für diesen Test kann frisches, gekühltes oder gefrorenes Blut und auch Speichel verwendet werden 13, wobei eine Testung am Speichel weniger aussagekräftig ist 161621 und möglichst nur in Ausnahmefällen (z.B. bei sehr wehrhaften oder scheuen Tieren) angewendet werden sollte. Frühestens 4-6 Wochen nach der Infektion lassen sich Antigene im Speichel nachweisen 16.

Dieser Test kann falsch positive und falsch negative Ergebnisse bringen. Ist das Ergebnis positiv, kann man mit etwa 80-100%iger Sicherheit davon ausgehen, dass die Katze infiziert ist 615. Ein negatives Ergebnis ist zu 95-100% sicher 615. Nicht immer sind Antigene nachweisbar, so kann es sein, dass die Katze trotz negativem Ergebnis latent (verborgen) infiziert ist und das Virus sich ins Knochenmark zurück gezogen hat oder aber die Katze das Virus bereits längst überwunden hat 6101216.

Ist das Virus im Blut der Katze, kann es mit diesem Test auch nachgewiesen werden: egal, ob die Infektion vorübergehend oder dauerhaft ist 6. Um eine vorübergehende von einer dauerhaften Infektion unterscheiden zu können - und um falsche Ergebnisse auszuschließen - empfiehlt sich immer eine Nachtestung 2. Diese sollte im Abstand von etwa 4-6 Wochen erfolgen 2911. Ein zweites positives Ergebnis macht die Diagnose relativ sicher 2, eine nochmalige Nachtestung nach 8-12 Wochen zeigt, ob die Infektion dauerhaft ist oder nicht 29.

Immunfluoreszenztest - Antigennachweis

Um die durch den ELISA-Test ermittelten Ergebnisse zu unterstützen, kann ebenso ein Antigen-Nachweis mittels Immunfluoreszenztest erfolgen. Er kann sowohl an Blut- als auch an Knochenmarkproben vorgenommen werden 615. Wird Blut getestet, ist der Test erst dann verlässlich, wenn die Virämie (Virus im Blut) bereits seit mindestens 3 Wochen vorhält 61516. Latente (also verborgene Infektionen) sind mit diesem Test über Blut nicht nachweisbar 6,16. Durch eine Testung des Knochenmarks jedoch schon, allerdings natürlich erst dann, wenn das Virus "Zeit hatte", sich im Knochenmark "festzusetzen". Es sind sowohl falsch positive, wie auch falsch negative Ergebnisse möglich 1516.

(Real-Time) PCR - Erregernachweis - aus Blut, Knochenmark oder Speichel

Die PCR weist Virus-Proteine in Blut, Knochenmark oder Speichel nach und ist ebenfalls eine Ergänzung zu ELISA/Immunfluoreszenztest 1216. Er kann sowohl vorübergehende, dauerhafte als auch latente Infektionen mit dem FelV nachweisen 1216. Der Test ist erst dann negativ, wenn das Virus nicht mehr im Körper der Katze ist 6. Aber auch hier sind falsch negative Ergebnisse möglich 3, Nachtestungen im angemessenen Abstand sind also auch hier angeraten.

Behandlung / Heilung?

Eine Infektion mit dem FelV ist nicht heilbar 1261521. Nicht alle infizierten Katzen müssen jedoch auch krank werden: der Großteil der Katzen überwindet das Virus und hat keinerlei Probleme nach der Infektion. In einigen Fällen bleibt das Virus jedoch lebenslang im Körper und verursacht Krankheitsanzeichen. Bei solchen Katzen ist die verbliebende Lebensspanne nicht vorhersehbar: sie hängt vor allem von der Haltung und von ihrem Gesundheitszustand ab 2. Statistisch gesehen sterben 80-90% der infizierten Katzen, die den Virus nicht überwinden können und Krankheitsanzeichen zeigen, innerhalb der folgenden eineinhalb bis fünf Jahre 7816.

Derzeit gibt es keine zuverlässige Heilung für erkrankte Katzen, stattdessen werden Symptome und Sekundärerkrankungen behandelt bzw. unterdrückt 26. So können Bluttransfusionen bei Blutarmut (Anämie) und Infusionen bei schlechtem Allgemeinzustand für die Gesundheit der Katze zuträglich sein 78. Untersuchungen mit FelV-infizierten Katzen zeigten, dass verschiedene Medikamente mehr Nebenwirkungen als positive Wirkungen brachten 2. Einzig eine Therapie mit Interferon konnte die Lebenszeit betroffener Katzen verlängern und den Zustand der Katzen weitestgehend stabil halten 178923, wobei auch diese Ergebnisse umstritten sind 22.

Infizierte Katzen sollten möglichst hochwertig gefüttert, stressfrei gehalten und gut beobachtet werden. Bei Krankheitsanzeichen ist eine zeitnah durchgeführte Behandlung von Krankheiten bei "FelV-Katzen" noch viel wichtiger als bei gesunden Katzen 221. Infizierte Katzen sollten im Haus gehalten und nicht in den Freigang entlassen werden: zu ihrem eigenen und anderer Katzen Wohl (siehe nächster Punkt).

Es werden regelmäßige (etwa halbjährliche) Kontrollbesuche beim Tierarzt angeraten 78921 - es ist jedoch Abwägungssache bei Katzen, die beim Tierarztbesuch extrem gestresst sind: Stress kann den Verlauf der Infektion negativ beeinflussen. Viele Quellen sprechen sich gegen eine Rohfütterung infizierter Katzen aus: das Risiko an Salmonellen und Toxoplasmose zu erkranken ist bei immungeschwächten Tieren größer 2721. Eine Verabreichung von Immunsuppressiva (z.B. Kortison) sollte bei Felv-infizierten Katzen vermieden werden 9.

infizierte Katzen und andere Katzen

Die meisten Quellen sprechen sich dafür aus, infizierte Katzen (auch solche, die das Virus nur ausscheiden) von nicht-infizierten Katzen zu trennen und einzeln bzw. getrennt zu halten 12567921. So sollen zwar mehrere infizierte Katzen in einer Gruppe gehalten werden können, aber möglichst keine infizierte Katze inmitten von nicht-infizierten 2. Dies gilt es auch - und vor allem - bei Neuzugängen zu beachten. Sind die eigenen Katzen infiziert, sollte darauf geachtet werden, dass auch die neue Katze FelV-positiv ist - sind die eigenen Katzen nicht infiziert, ist nur der Einzug einer ebenfalls nicht infizierten Katze angeraten. Um wirklich sicher zu gehen, sind mindestens zwei Testungen im Abstand von 2 Monaten durchzuführen.

Einige wenige Quellen sprechen jedoch auch davon, dass es möglich sei, infizierte mit nicht-infizierten Katzen zusammen zu halten, sofern Letztere ausreichend gegen FelV geimpft sind 512. Es gibt hier jedoch keine Garantie, dass sich die nicht-infizierten Katzen nicht doch anstecken! Zum Einen wird das Virus - im Gegensatz zum FIV ("Katzen-AIDS") - nicht nur durch Raufereien und Bisse übertragen, sondern auch durch gegenseitiges Putzen, zum Anderen sind Impfungen nicht (immer) zuverlässig.

Dauerhaft infizierte Katzen sollten im Haus gehalten werden und keinen Freigang genießen: zum Einen sind sie selbst durch die Immunschwächung für Krankheiten empfänglich, zum anderen sind sie eine potentielle Ansteckungsgefahr für andere Katzen 278921. Eine Kastration kann dazu führen, dass die Katze weniger aggressiv und häuslicher wird: so ist sowohl für sie selbst auch als für Mitkatzen die Gefahr eine Ansteckung - mit Sekundärinfektionen und auf der anderen Seite FelV - geringer 221.

Soll eine neue Katze einziehen, nachdem die alte an FelV verstorben ist, so wird häufig sicherheitshalber ein Abstand von 30 Tagen und eine Reinigung der Umgebung (Zubehör, Bettchen, Katzenklo, Wasser- und Fressnäpfe) empfohlen. Da das Virus durch einfache Desinfektion abgetötet wird und in trockener Umgebung wenig lebensfähig ist, sollten diese Vorsichtsmaßnahmen ausreichen.

Impfungen gegen FelV und andere Krankheiten

Sowohl die Impfung gegen FelV, als auch die Impfung FelV-infizierter Katzen ist umstritten.


Impfungen gegen FelV

Vor einer Impfung gegen FelV ist immer eine Testung angeraten: die Impfung ist bei infizierten Katzen unwirksam, soll im schlimmsten Fall sogar das Risiko auf eine Reaktivierung des Virus und/oder die Entwicklung von Krankheitssymptomen vergrößern 12367892125. Die Impfung gegen FelV besteht in der Regel aus einem sogenannten "Totimpfstoff" 1: das enthaltene Virus bzw. seine Virusteile sind abgetötet und rufen keine Infektion hervor. Um die Wirkung bzw. eine "Immunantwort" zu verstärken, werden Hilfsstoffe (sogenannte "Adjuvantien") eingesetzt. Diese können laut Aussagen mancher Quellen möglicherweise an der Bildung eines Sarkoms (bösartiger Tumor, Krebs) an der Einstichstelle beteiligt sein12172627.

Aus diesem Grund sollte die Entscheidung "impfen oder nicht?" alle möglichen Lebensumstände der Katze einbeziehen und die Impfung selbst nur in die Hinterbeine oder den Schwanz erfolgen 9: sollte sich ein Sarkom bilden, können diese Körperteile zur Not amputiert werden - im Gegensatz zur (leider immer noch praktizierten) Einstichstelle im Nacken. Auch der Rat, den Impfstoff vor dem verabreichen auf Körpertemperatur zu erwärmen soll möglicherweise das Risiko für die Bildung von Sarkomen verringern 9.

Es wird empfohlen, (junge) Freigängerkatzen gegen FelV impfen zu lassen 2321, alte Katzen ab 7 Jahren haben meist eine gewisse Immunität entwickelt und müssen nach verschiedenen Quellen nicht mehr gegen FelV geimpft werden 23. Wenn es um die FelV-Impfung für Wohnungskatzen geht, scheiden sich die Geister: einige Quellen sprechen davon, diese gar nicht zu impfen, andere halten zumindest eine Grundimmunisierung für sinnvoll 123 - sofern sie nicht mit infizierten Katzen zusammenkommen. Werden infizierte und nicht-infizierte Tiere zusammen (in der Wohnung) gehalten, so wird eine Impfung der nicht-infizierten Tiere - nach einem Test - dringend angeraten 512.

Die ersten Impfungen gegen FelV sollten in der 8/9 und 12/13. Lebenswoche bzw. der 12 und 16ten Lebenswoche stattfinden und im Alter von 12 Monaten "geboostert" werden 123679. Teilweise werden durchgehend jährliche Auffrischungsimpfungen 6, teilweise Auffrischungen im Abstand von 2-3 Jahren ab einem Alter von 3-4 Jahren empfohlen 16789.

Die Impfung gegen FelV ist insgesamt umstritten: zum einen konnte die Wirkung in manchen Untersuchungen unter "häuslichen" Bedingungen (also außerhalb des Labors, im normalen Zusammenleben der Katzen) nicht nachgewiesen werden, zum Anderen wirkte sie nicht zuverlässig gegen eine Ansteckung oder einen verfrühten Tod untersuchter Kitten 2429. Das Virus konnte sich teilweise trotz Impfung in der Katze ausbreiten und eine vorübergehende oder dauernde Infektion auslösen 2429. Auch bietet sie bereits infizierten Katzen keine Vorteile im Krankheitsverlauf 25. Der Impfung wird sogar teilweise nachgesagt, dass sie bei infizierten Katzen den Ausbruch von Krankheitssymptomen begünstigen könne 12367892125.


infizierte Katzen impfen

Was die Impfung von FelV-infizierten Katzen angeht, gehen die Meinungen stark auseinander. Einige Menschen sprechen sich gegen jegliche Impfung einer betroffenen Katze aus, da jede Impfung auch einen Einfluss auf das Immunsystem der Katze bedeutet. Andere Quellen sprechen sich dagegen für vermehrte Impfungen (halbjährlicher Abstand) infizierter Katzen aus: durch das geschwächte Immunsystem könnte die Wirkung der Impfungen nicht zuverlässig und langanhaltend aufgebaut werden und Krankheiten können sich schneller ausbreiten 1228. Teilweise soll eine Infektion mit FelV die Wirksamkeit einer Impfung sogar gänzlich verhindern können - dies soll scheinbar zum Beispiel die Tollwutimpfung betreffen1.

Es ist ratsam, bei Impfungen betroffener Katzen auf Totimpfstoffe zurückzugreifen: die in ihnen enthaltenen Viren und Virusteile sind abgetötet oder unschädlich gemacht und können sich so nicht vermehren, also auch keinen Krankheitsausbruch (der Krankheit gegen die geimpft wird) auslösen28.

Zusammenfassend: FAQs zu FelV

Ist FelV ansteckend? Ja, FelV ist ansteckend: durch Körperflüssigkeiten und -ausscheidungen wie Urin, Kot, Blut, Muttermilch und Speichel wird das Virus von Katze zu Katze übertragen. Auch eine Ansteckung durch gemeinsam genutzte Näpfe und Katzentoiletten ist theoretisch möglich. Es ist weder durch die Luft, noch durch Gegenstände oder Kleidung übertragen.

Kann ich mich mit FelV anstecken? Nein, der Mensch kann sich mit diesem Virus nicht anstecken.

Sind FelV, Leukämie und Leukose das Gleiche? Auch, wenn die Ansteckung mit FelV oft (fälschlicherweise) als "Leukose" oder "Leukämie" bezeichnet wird, ist es nicht das Gleiche. Es sind vollkommen verschiedene "Krankheiten", die aber gemeinsame Berührungspunkte haben - und wahrscheinlich deshalb so oft verwechselt werden. Die Leukämie ist eigentlich ein Sammelbegriff für "Blutkrebs": die gebildeten Blutzellen sind krankhaft verändert. Bei einer Leukose (Synonym für Leukämie) produziert das Knochenmark zu viele weiße Blutzellen, die zudem noch funktionsuntüchtig sind 30.
Eine Ansteckung mit FelV kann Leukämie bzw. Leukose auslösen - muss sie jedoch nicht 278. Viel häufiger sind andere Symptome wie z.B. Immunschwäche und damit einhergehende Sekundärinfektionen 1. Auch andere Auslöser können Leukose bzw. Leukämie auslösen, es muss kein FelV beteiligt sein.

Ist eine Infektion wirklich immer tödlich? Eine Infektion mit dem FelV muss erst einmal gar nichts bedeuten. Erst dann, wenn die Katze das Virus nicht "zurückschlagen" kann, könnte sie eine Immunschwäche entwickeln, die ihren Gesundheitszustand beeinflusst und ihre Lebensdauer verkürzt. Es kommt jedoch nur bei wenigen Katzen zu einem Ausbruch von Krankheitssymptomen. Und selbst solche "akut infizierten" Tiere müssen nicht gleich sterben: meist können sie bei guter Pflege noch jahrelang überleben.

Mein Tierarzt sagt, meine Katze hätte FelV: was ist jetzt zu tun? Zuerst einmal sollten die Tests wiederholt werden: nur mehrmalige positive Ergebnisse in Kombination mehrerer Tests können FelV eindeutig diagnostizieren. Nicht selten sind erste Tests falsch positiv.

Meine Katze ist infiziert - wie kann ich ihr helfen? Selbst, wenn die Katze infiziert ist, muss sie nicht krank werden. Nur wenige Katzen überwinden das Virus nicht und werden krank. Dann hilft im Grunde nur gute Haltung, gute Ernährung, ein guter Gesundheitszustand und wenig Stress. Eine gut umsorgte Katze kann durchaus einige Zeit lang gut mit dem Virus leben und muss keinesfalls sofort eingeschläfert werden!

Nur eine meiner Katzen ist infiziert - was mache ich denn nun? Hier gibt es keinen allgemeingültigen Rat: es ist strittig, ob es angeraten ist, infizierte Tiere mit nicht-infizierten Tieren zusammen zu halten. Die nicht-infizierten Tiere sollten möglichst geimpft sein und alle Tiere sollten im Abstand von mehreren Wochen mehrmalig getestet werden, um sicher zu sein, dass nicht nur eine - oder gar keine - Katze infiziert ist. Das Risiko, dass sich eine nicht-infizierte Katze bei einer infizierten ansteckt, ist definitiv gegeben - auch dann, wenn es keinen Streit und keine Aggression mit Bissen gibt: gemeinsame Fellpflege reicht zur Übertragung des FelV! Es ist wohl eine ganz individuelle Entscheidung, ob und welche Katzen ausziehen müssen/sollen.

Wie kann ich einer Infektion vorbeugen? Zum Einen könnte unter Umständen eine Impfung helfen (umstritten, siehe oben), zum anderen sollten vor jedem Neuzugang mehrere Tests auf FelV an allen Katzen durchgeführt werden: es sollten möglichst nur infizierte Tiere zusammen gesetzt werden oder nur nicht-infizierte. Auch eine Kastration kann indirekt helfen: die Katze wird häuslicher und weniger aggressiv: Raufereien und Bisse durch andere Katzen - auch im Freigang - kommen weniger häufig vor, sind jedoch natürlich nicht ganz auszuschließen.

Muss ich jetzt Angst um meine Katzen haben und/oder etwas beachten? Auch, wenn es dieses Virus gibt und Katzen es unentdeckt tragen können, muss man als Katzenhalter nicht in Panik verfallen. Zum Einen kann man recht zuverlässig Vorsorge betreiben (nur FelV-negative Katzen dazu holen), zum anderen muss eine Katze, die sich ansteckt nicht auch krank werden. Je besser die Katze (infiziert oder nicht) gehalten wird, je weniger Stress sie hat und umso besser sie (auch tierärztlich) umsorgt wird, umso geringer ist das Risiko einer Ansteckung und/oder eines Ausbruchs von Krankheitszeichen.


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Quellen/weiterführende Infos

1: "Krankheiten der Katze", Schmidt/Horzinek, 5. Auflage 2015

2: "Leukämievirusinfektion der Katze (FeLV)": www.med.vetmed.uni-muenchen.de (.pdf-Download)

3: "Neues zur FeLV-Infektion und zur FeLV-Impfung": www.thieme-connect.com

4: "FeLV – Felines Leukämie-Virus": www.laboklin.de

5: "FeLV und FIV: Antworten zu den häufigsten Fragen": www.laboklin.de

6: "FeLV Felines Leukosevirus": www.synlab.com (.pdf-Download)

7: "Feline Leukaemia ": www.abcd-vets.org

8: "Fact sheets ": www.abcd-vets.org

9: "Die FeLV-Infektion der Katze: Praxisrelevante Aspekte": vetline.de

10: "Retrospektive Untersuchung zur Epidemiologie und Labordiagnostik des Felinen Immunschwächevirus und des Felinen Leukämievirus": edoc.ub.uni-muenchen.de


11: "Felines Leukämievirus (FeLV), „Leukose“, Antigen": www.laboklin.de

12: "Felines Leukämie-Virus (FeLV)": www.laboklin.de

13: "SNAP FeLV Test": www.idexx.de

14: "Testing kittens for FeLV and FIV (Proceedings)": veterinarycalendar.dvm360.com

15: "Untersuchungen zur Diagnose und zum Verlauf feliner Retrovirusinfektionen": edoc.ub.uni-muenchen.de

16: "Vergleich verschiedener neuer Testsysteme für die feline Immunschwäche- und die feline Leukämievirusinfektion": edoc.ub.uni-muenchen.de

17: "Untersuchungen zu Einteilung und Pathogenese des felinen Fibrosarkoms": geb.uni-giessen.de

18: "FeLV and FIV Affect Blood Values in Cats ": www.winnfelinefoundation.org

19: "FeLV Shedding in Feces ": www.winnfelinefoundation.org

20: "Bedeutung verschiedener Infektionserreger bei der chronischen Gingivostomatitis der Katze": edoc.ub.uni-muenchen.de


21: "Feline Retrovirus Management Guidelines (AAFP)": www.catvets.com (.pdf-Download)

22: "Feline interferon omega for treatment of FeLV & FIV ": www.winnfelinefoundation.org

23: "Klinische Anwendungsmöglichkeiten von Interferonen in der Kleintiermedizin ": www.vetion.de

24: "FeLV-Impfungen ": www.vetion.de

25: "No benefit of therapeutic vaccination in clinically healthy cats persistently infected with feline leukemia virus.": www.ncbi.nlm.nih.gov

26: "Klinik, Labordiagnostik und verwendete Impfstoffe bei Katzen mit einem Fibrosarkom: Eine Übersicht über die Patienten der Medizinischen Kleintierklinik 1999 - 2007": edoc.ub.uni-muenchen.de

27: "Studie zu Fibrosarkomen bei Katzen": www.animal-health-online.de

28: "Vaccinating FeLV & FIV Infected Cats": www.peteducation.com/

29: "Efficacy of a Feline Leukemia Virus Vaccine in a Natural Exposure Challenge": onlinelibrary.wiley.com

30: "Grundlagen: Was bedeutet der Begriff "Leukämie" eigentlich?": www.krebsinformationsdienst.de


31: "Übertragung der Felinen Leukämie Virus Infektion durch Provirus positives Blut": www.vet.uzh.ch

32: "FeLV-Provirusbürde und -Prävalenz bei natürlich und experimentell mit FeLV infizierten Katzen": www.vet.uzh.ch

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