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Einzelhaltung?!

Inhalt zuletzt aktualisiert am: 22.08.2014

Katze spiegelt sich im Fenster

© C.Kleger / www.pixelio.de

Die Haltung von Katzen als Einzeltier ist nicht artgerecht. Katzen sind von Natur aus keineswegs Einzelgänger, sie werden vom Menschen dazu gemacht. Die jahrelange Haltung einer Einzelkatze lässt sie nicht nur seelisch verkümmern, sie kann auch durch fehlenden Kontakt zu Artgenossen soziales Verhalten verlernen. Manche Katzen, denen langfristig ein Partner vorenthalten wird, können Verhaltensstörungen (beispielsweise Aggressivität, Depressionen und Zerstörungswut) entwickeln.

Eine spätere Zusammenführung kann für solche Katzen sehr stressig bis unmöglich werden. Da Katzen, die jahrelang in Einzelhaltung gehalten werden katzentypische Kommunkation und den katzentypischen Umgang mit Artgenossen verlernen, dauert eine Zusammenführung in der Regel sehr viel länger als bei Katzen, die kätzischen Umgang gewohnt sind. In manchen Fällen ist eine Vergesellschaftung sogar gänzlich unmöglich. So entstehen "Einzelkatzen", welche auch als solche vermittelt werden müssen, um langfristig glücklich zu werden.

Sozialkontakte sind Grundbedürfnisse

Ebenso wie eine gewaltfreie Umgebung, artgerechte Ernährung und die zeitnahe Durchführung tierärztlicher Behandlungen ist der Kontakt zu Artgenossen ein Grundbedürfnis der Katze. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt sie ist, ob sie in reiner Wohnungshaltung gehalten wird oder Freigang genießt. Eine Partnerkatze gehört zur artgerechten Haltung von Katzen dazu - ohne "wenn und aber". Wer aus diversen Gründen nur eine einzelne Katze halten will oder kann, sollte sich eine erwachsene Katze suchen, die bereits lange an Einzelhaltung gewöhnt ist oder gänzlich von der Haltung sozialer Tiere wie Katzen absehen.

der Mensch und andere Haustiere sind kein Ersatz für einen Katzenpartner

Katze und Kaninchen

© Regina Kaute / www.pixelio.de

Um einer Einzelkatze auch nur ansatzweise gerecht werden zu können, müsste der Mensch 24 Stunden am Tag mit der Katze spielen, sie putzen, mit ihr im Körbchen liegen und letztlich auch miauen, fauchen, brummen und schnurren können. Selbstverständlich sollte er es auch beherrschen, mithilfe von Geruchspheromonen kommunizieren zu können.

Da dies Alles für den Menschen kaum möglich ist, sollte eine Katze niemals allein gehalten werden. Da auch andere Haustiere wie Hunde, Hamster, Kaninchen usw. diese kätzische Kommunikation nicht leisten können, sind die ebenso wenig wie der Mensch Ersatz für eine Partnerkatze.

Spätestens dann, wenn Hände, Füße, Tapeten und Möbel "angegriffen" werden, ist den meisten Katzenhaltern klar, dass etwas in der Haltung der Katze nicht wie gedacht verläuft. Meist wird dann behauptet, die Katze wäre hyperaktiv, hinterlistig oder gar aggressiv. Dass ihr Verhalten eigentlich ein Hilferuf, eine Aufforderung nach einem passenden Artgenossen und artgerechter Beschäftigung ist, wird dabei vollkommen heruntergeredet.

mögliche Folgen der Einzelhaltung

Katzen sitzen nebeneinander

© Thomas Beckert / www.pixelio.de

Das Spektrum an Folgen von Einzelhaltung ist weit gefächert. Es reicht von Hyperaktivität, aggressivem Verhalten, über Zerstörungswut bis hin zu Depressionen bei der Katze. Wird die Katze zu lang allein gehalten, verkümmert sie, sucht sich Ersatzbeschäftigungen und wird extrem anhänglich. Sie hat keine Möglichkeit, sich artgerecht mit einem Artgenossen auszutauschen, zu spielen, wichtige Kommunikation zu betreiben und nach Katzenart zu raufen. Sie wird dazu übergehen, den Menschen als Spielpartner anzusehen, ihn kratzen, beissen, spielerisch angreifen und kann bei Unterforderung dazu übergehen, ihren Frust an Möbeln, Tapeten und Gegenständen auszulassen.

Die Einzelkatze wird auch zu den unmöglichsten Zeiten ihren Menschen zum Spielen auffordern. So kann es vorkommen, dass der Halter genau dann gekratzt, gebissen und lautstark zum Spielen aufgefordert wird, wenn er schlafen muss oder seine Ruhe haben möchte. Die Katze hält sich nicht an geregelte Zeiten, wenn sie der Drang zum Spielen überfällt.

Auch Kinder, andere Familienmitglieder und Haustiere werden unter der Unterforderung und der überschüssigen Energie der Katze zu leiden haben. Kratzen, Beissen, Aggressivität und Angriffe werden im Laufe der Zeit stärker und brutaler werden, da niemand da ist, der der Katze auf - für sie - verständliche Art Grenzen setzen kann. Der Mensch wird voll und ganz zum Ersatzspielkumpel, mit allen negativen Seiten.

Kitten niemals allein halten!

Kitten kuscheln

© Efidelia / www.pixelio.de

Was für erwachsene Katzen gilt, gilt umso mehr für Kitten: Einzelhaltung ist kein Dauerzustand! Kitten sind noch von ihrer Mutterkatze und ihren Geschwistern an den normalen Umgang und die innige Beziehung zwischen Katzen gewöhnt.

Kommen sie nun allein ins neue Zuhause, erleben sie einen "Kulturschock":
erst die schmerzliche Trennung von Mutter, Brüdern und Schwestern und nun plötztlich Niemand mehr, der wie ein Kitten spielen, "reden" und kuscheln kann?

Kleine Kitten sind aufgeweckt, lebhaft, neugierig und voller Energie. Um diese Energie artgerecht ausleben zu können, sollte ein zweites Kitten vorhanden sein. Erwachsene, ältere Katzen sind kein passender Partner für ein Kitten.

Zwei Kitten, die miteinander aufwachsen bringen sich gegenseitig Vieles bei. Auch der Halter profitiert von diesem Gespann: es geht weniger zu Bruch, die Verantwortung zur Beschäftigung kann geteilt werden, die Tiere sind nicht nur auf ihre Bezugsperson fixiert und lassen ihre Kräfte aneinander statt am Menschen aus.

"echte" Einzelkatzen

Mutterkatze mit Kitten

© Marcel Loos / www.pixelio.de

Auch sie gibt es: "echte" Einzelkatzen. Katzen, die den Umgang mit Artgenossen über Jahre verlernt haben und nicht mehr in der Lage sind, sich katzentypisch zu verhalten und zu kommunizieren. Sie haben starke Probleme, mit anderen Katzen zurecht zu kommen und sind vollkommen überfordert, wenn man ihnen einen Artgenossen "vor die Nase setzt".

Da dies jedoch eine Entwicklung über Jahre hinweg ist, betrifft dies nur erwachsene, ältere Katzen. Katzen, die jünger als drei oder vier Jahre sind, können durchaus noch vergesellschaftet werden und lernen den Umgang mit dem passenden Partner meist sehr schnell zu schätzen.

Von Natur aus jedoch sind Katzen keine Einzelgänger, sie benötigen den Umgang mit anderen Katzen, um sich artgerecht und gesund zu entwickeln. Erst durch die erzwungene Einsamkeit ohne Partnerkatze entstehen echte Einzelkatzen. Solche Katzen müssen ihr Leben lang auf Kontakt zu Artgenossen verzichten, sind von ihrem Halter zu einem Leben gezwungen, das ihrer Natur widerspricht. Sie verlernen wichtige kätzische Kommunikation und entwickeln Eigenschaften, die dem Zusammenleben unter Katzen hinderlich wären.

Solche Tiere sind für Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen nur eine einzelne Katze wünschen, ein Kompromiss zwischen artgerechter Haltung und dem gänzlichen Verzicht auf die Haltung von Katzen. Wenn man sich also dazu entscheidet, einer einzelnen Katze ein Zuhause schenken zu wollen, sollte man sich eine erwachsene, ältere Katze suchen, die den Umgang mit Artgenossen nicht mehr gewohnt ist und eine "echte" Einzelkatze ist.

In solchen Fällen sollte jedoch bedacht werden, dass der Katze ausreichend und viel Zeit gewidmet werden muss. Der Mensch ist für Einzelkatzen alleiniger Partner zum Kuscheln und Spielen. Sie benötigt sehr viel Aufmerksamkeit, Zuspruch und ist vollkommen abhängig von der Bindung zu ihrem Menschen. Aus diesem Grunde ist die Haltung einer ausgewiesenen Einzelkatze nichts für vollzeit berufstätige Menschen. Eine solche Einzelkatze sollte in der Familie leben und immer einen "Ansprechpartner" haben.

für jeden "Topf" den passenden "Deckel" finden

Katze putzt Katze

© Sabine Jaunegg / www.pixelio.de

Oft wird eine Katze, die sich mit dem vom Menschen gewählten Katzenpartner nicht auf Anhieb versteht, als Einzelkatze abgestempelt und jeder Versuch einer weiteren Zusammenführung wird kategorisch abgelehnt.

Dabei vergessen viele Katzenhalter jedoch, dass die gut durchdachte Auswahl einer Partnerkatze darüber entscheidet, wie sich das zukünftige Zusammenleben aller Beteiligten entwickelt. Es liegt allein am Halter, eine Partnerkatze auszuwählen, die dem Charakter und den Bedürfnissen ihrer Katze gerecht wird.

Wird die Partnerkatze aus rein subjektiven, menschlichen Gründen ausgesucht, beispielsweise aufgrund ihres Aussehens oder ihrer speziellen Rasse, geht eine Zusammenführung häufig schief. Die Partnerkatze muss vor allem zur Katze passen, nicht zuerst den optischen Ansprüchen des Haltes entsprechen! Mehr dazu in den Bereichen "Eingewöhnung & Zusammenführung" und wie suche ich eine passende Zweitkatze aus?.

nur durchdachte Partnerschaften halten

Erst wenn die Partnerkatze zur Katze passt, können sich auf Dauer innige Beziehungen und Freundschaften untereinander entwickeln. Eine Zusammenführung kann Wochen, Monate, mitunter gar Jahre dauern. Dabei sollte das Ziel einer Zusammenführung nicht unbedingt "innige Liebe" sein, sondern kann auch "nur" zu einer guten Freundschaft und tiefer Sympathie führen.

Auch Katzen, die nicht ständig miteinander kuscheln oder sich gegenseitig putzen, leben glücklich. Jede Beziehung zwischen Katzen ist unterschiedlich, aber jede Katze braucht einen Partner, um ganz glücklich zu sein. Mehr dazu in den Bereichen "Eingewöhnung & Zusammenführung" und wie suche ich eine passende Zweitkatze aus?.

Zusammenführungen mit bisherigen "Einzelkatzen"

Katze putzt Katze

© Urs Flükiger / www.pixelio.de

Bei Katzen, die bisher keine Artgenossen kennen oder lange ohne welche leben mussten, ist die Vorbereitung einer Zusammenführung und die richtige Auswahl einer Partnerkatze besonders wichtig. Man sollte die alte Katze gut genug kennen und einschätzen können, um ihr einen passenden Lebensgefährten aussuchen zu können.

Hierbei sollten vor allem die Bedürfnisse, Charaktereigenschaften und Vorlieben der bereits vorhandenen Katze eine Rolle spielen. Auch das Alter und Geschlecht der Katzen sollte möglichst gleich sein. Menschliche Aspekte wie eine ansprechende Optik oder die vorherige Festlegung auf eine bestimmte Rasse oder Farbe sollten dabei zwar nicht ganz außer Acht gelassen, aber dennoch zweitrangig behandelt werden!

Die wirklich wichtigste Grundlage zum Erfolg einer Zusammenführung ist und bleibt eine wohl überlegt ausgewählte Partnerkatze! Geht man hier zu sehr nach eigenen, menschlichen Wünschen vor, wird der Versuch misslingen. Beide Katzen werden unglücklich sein und dies auch ausdrücken - beispielsweise durch Rückzug, Aggression, Unsauberkeit oder Mobbing.

Sichere Rückzugsmöglichkeiten für beide Katzen, viel Zuneigung und Beschäftigung mit der alten Katze helfen, um Eifersucht und Streitereien auf ein Minimum zu reduzieren. Im Bereich Eingewöhnung/Zusammenführung findet sich ein hilfreicher Leitfaden, um eine gezielte Zusammenführung zu starten. Der Bereich wie suche ich eine passende Zweitkatze aus? geht näher auf die Auswahl einer passenden Partnerkatze ein.




Vorurteile rund um die Einzelhaltung

Diese kleine Aufstellung an Mythen rund ums Thema "Einzelkatze" soll zur Aufklärung von Missverständnissen und festgefahrenen Meinungen helfen.

Katzen sind von Natur aus Einzelgänger?!

Katzengruppe

© Thomas Schaack / www.pixelio.de

Besonders unwissende oder ältere Personen vertreten in der Regel die Meinung, dass Katzen von Natur aus Einzelgänger seien. Dies ist jedoch falsch: Katzen sind zwar Einzeljäger, nicht jedoch Einzelgänger! Katzen brauchen Artgenossen, um sich körperlich und seelisch gesund zu entwickeln.

Sie werden nur dann zu Einzelgängern, wenn sie den Umgang mit anderen Katzen aufgrund verschiedenster Ursachen in ihrer Vergangenheit nicht gewohnt sind - beispielsweise, wenn ein Kitten zu früh von der Mutter getrennt wurde und ihm die wichtige Sozialisierungsphase vorenthalten wurde oder eine Katze jahrelang allein gehalten wurde und so den Umgang mit Artgenossen nicht mehr kennt und/oder toleriert.

Fakt ist, dass bereits 1979 Publikationen darüber veröffentlicht wurden, dass selbst freilebende Katzen sich zu Verbänden zusammenschließen und Sozialkontakte pflegen. Wissenschaftliche Studien dazu sind beispielsweise von Verhaltensforschern wie Paul Leyhausen, Dr. Mircea Pfleiderer oder Diplom-Biologin Beate Kalz durchgeführt worden. Die -> Linkliste enthält Links zu weiterführenden Infos.

2 Katzen würden mich überfordern

Katzen beim Gruppenkuscheln

Gruppenkuscheln in der Cattery
Alcinas-Siamesen-OKH

Hört man diese Argumente, so hat man als Gesprächspartner meist einen im Umgang mit Katzen unerfahrenen Menschen. Fakt ist jedoch, dass Katzen (bis auf sehr seltene Ausnahmen) nicht gerne allein leben und Spiel- und Raufpartner brauchen, um nicht neurotisch zu werden. Finanziell ist kaum ein Unterschied, ob man eine oder mehrere Katzen hält. Man kann sogar von Großgebinden bei Nahrung und Streu profitieren.

Die Angst, dass mehrere Katzen auch beim Tierarzt mehr kosten, ist in dem Falle kein treffendes Argument, denn egal ob eine oder 4 Katzen: teuer kann es immer werden und seltenst (bis auf ansteckende Krankheiten) werden alle Katzen auf einmal krank. Platztechnisch stellen 2 Katzen auch keine größeren Anforderungen an ihr Zuhause als eine einzelne Katze. Ein passender Partner für eine Katze bereichert ihr Leben und erhöht ihr Wohlbefinden.

Im Gegenteil wird eine Einzelkatze ihren Halter meist erst recht überfordern. So muss sie doch Langeweile leiden und kann ihren Energie- und Spieldrang nicht artgerecht ausleben. Es fehlt ein Katzenpartner zum beißen, putzen und herumtollen. So sehr man sich als Mensch auch bemüht, Ersatz zu sein, kann man dies kaum bewerkstelligen. Die Katze sucht sich nun also Ersatzbeschäftigungen und kann Macken und psychische Störungen entwickeln, die das Zusammenleben mit ihr extrem schwierig gestalten.

meine Einzelkatze / die Einzelkatze von XY ist aber ruhig und glücklich...

Katzen schlafen zusammen in Karton

© Sabine Jaunegg / www.pixelio.de

Immer wieder hört man diese Aussage, wenn man Katzenhaltern die Bitte ans Herz legt, über einen Partner für ihre Einzelkatze nachzudenken. Fakt ist jedoch letztendlich, dass Katzen nicht sprechen können und wir als Halter Empfindungen wie "glücklich" oder "zufrieden" nur aus dem Verhalten der Katze deuten können.

Eine Katze, die ruhig ist, muss nicht zwangsläufig auch glücklich sein. Im Gegenteil: Manche unterforderte und vereinsamte Katze wird erst recht ruhig, teilweise sogar depressiv. Das kann an der erlittenen Einsamkeit, der Langeweile oder fehlenden Möglichkeit liegen, sich auf "Katzenart zu unterhalten". Nicht nur Zerstörungswut und Unruhe sind Zeichen einer Verhaltensauffälligkeit, auch zu ruhige Katzen kann man sehrwohl als verhaltensauffällig bezeichnen. Sehr viele Einzelkatzen haben bereits resigniert, sich still und frustriert mit ihrem Leben arrangiert und sind deshalb für den Menschen nicht auffällig.

Oft fällt unerfahrenen Katzenbesitzern erst auf, dass etwas mit ihrer Katze nicht stimmt, wenn unangenehme Folgen (Unsauberkeit, Zerkratzen von Gegenständen, Händen und Füßen) auftreten. Stilles Aufgeben fällt kaum auf, im Gegenteil: es ist erwünscht, wenn die Katze sich möglichst ruhig verhält.

Sollte es ein gutes Beispiel für glückliche Katzen geben, so ist dies sicherlich in Form von freilebenden Katzen zu geben, die möglichst artgerecht gehalten werden, viel Bewegung genießen und auch nach Wunsch Umgang mit ihren Artgenossen pflegen.

mit mir/meinem Hund hat die Katze genug Gesellschaft

Katzen beim Spielen

Katzen beim Raufen.
© Karin Averbeck/www.pixelio.de

Auch dies ist eine leider sehr weit verbreitete Aussage. Anstatt sich mit den Grundbedürfnissen seines neuen Mitbewohners auseinander zu setzen, werden solch unüberlegte Ausreden getätigt.

Katzen brauchen Gesellschaft, um sich katzengerecht zu entwickeln. Dazu gehört ein Gegenüber, das die eigene Laut- und Körpersprache versteht und ebenfalls "spricht". Ebenso ist die gegenseitige Fellpflege wichtige soziale Kommunikation. Auch das heftige Raufen, das Fangen-spielen und gemeinsame Kuscheln und Dösen sind Aspekte, die eine Katze braucht, um seelisch gesund zu bleiben.

Ein Hund drückt seine Emotionen anders aus als eine Katze, kann auch nicht mit ihrer Wendigkeit und ihrem Kletterbedürfnis mithalten. Dementsprechend ist er kein Ersatz für einen Artgenossen. Auch Menschen(kinder) können all diese grundlegenden Bedürfnisse der Katze nicht stillen. Selbst, wenn man als Halter den ganzen Tag zuhaus ist und sich oft mit der Katze beschäftigt, fehlen wichtige Übereinstimmungen mit dem Verhalten und der Kommunikation von Katzen.

Welcher Katzenhalter ist schon bereit, seiner Katze bei der täglichen Fellreinigung "zur Pfote" zu gehen? Welcher Mensch würde zur Begrüßung am Hintern der Katze riechen, mit ihr am Kratzbaum hinauf- und hinunterjagen oder mit ihr im Körbchen kuscheln? Ist die Haut von Menschen nicht viel zu empfindlich (und unbehaart), um kräftige Bisse und tiefe Kratzer auszuhalten?

Freigänger kann man auch allein halten

eine Gruppe von Katzen

befreundete Bauernhofkatzen.
© Joujou /www.pixelio.de

Grundsätzlich kann man diese Aussage bejahen! Allerdings mit gewissen Einschränkungen. Eine Katze, die neu einzieht, sollte etwa 4-6 Wochen zur Gewöhnung im Haus bleiben. Sie wäre somit ohne kätzischen Artgenossen auch Einzelkatze, also allein. Bei der Anschaffung eines Kittens ist dies noch ausgeprägter: erst mit einer gewissen Reife sollten sie (gekennzeichnet und kastriert!) in den Freigang entlassen werden.

Lässt man sie zu jung hinaus, können sie durch ihre natürliche Neugier in ernsthafte Gefahrensituationen geraten. Grob wird ein Alter von etwa 9 bis 12 Monaten als Richtwert für den ersten Freigang junger Katzen genannt, somit wäre auch diese Katze über Monate hinweg allein.

Ist die Katze bereits älter und Freigänger, so kann man diese auch ohne schlechtes Gewissen als Einzelkatze halten - aber halt: denn der Begriff "Einzelkatze" ist hier nicht ganz zutreffend, denn auch im Freigang umgeben sich Katzen mit passenden Artgenossen oder Gruppen.

Die Katze ist also nur dann allein, wenn sie dies auch wirklich möchte. Steht ihr der Sinn nach Gesellschaft und Interaktion mit Artgenossen, so lassen sich draußen im nähreren Umkreis sicherlich schnell geeignete Katzen finden.

die Zusammenführung hat nicht geklappt...

Nur weil die Zusammenführung mehrerer Katzen nicht wie gewünscht abgelaufen ist, kann daraus keine Rechtfertigung für die Einzelhaltung einer Katze konstruiert werden. Dass zwei Lebewesen sich nicht verstehen und vertragen liegt in ihren Charakteren, ihrer Reife und ihrem Verhalten begründet und ist völlig normal. Statt bei einer Vergesellschaftung rein nach optischen Gesichtspunkten zu gehen, sollte man darauf achten, dass sich der Charakter der Katzen ähnelt. Auch das Alter der neuen Katze, sowie ihr Geschlecht kann die Zusammenführung beeinflussen.

So ist das Spielverhalten von Katern und Katzen meist unterschiedlich, Kitten und junge Katzen haben einen hohen Energieüberschwung, damit sind ältere Katzen manchmal überfordert. Sucht man sich einen passenden Partner für seine alteingesessene Katze wohlüberlegt aus, beeinflusst dies das Ergebnis der Zusammenführung in fast allen Fällen positiv.

die Katze soll auf mich fixiert sein, also bleibt sie alleine

Auch aus solch egoistischen Gründen werden Katzen absichtlich zu Sozialkrüppeln herangezogen. Wer mit solchen Überlegungen an die Haltung und das Zusammenleben eines Lebewesens herangeht, dem sollte klar sein, dass er damit echte Probleme provozieren kann und in der Regel auch wird.

spielende Katzen im Schnee

Raufen im Schnee.
© Karin Averbeck/www.pixelio.de

Man sollte sich immer vor Augen halten, dass die Katzenhaltung weniger dem "Besitz eines Lebewesens", sondern eher einer Partnerschaft gleichkommt.

Auch Katzen haben Gefühle und Bedürfnisse, die man respektieren und erfüllen sollte. Tut man dies absichtlich aus selbstbezogenen Gründen nicht, sollte man sich den Gedanken über die Haltung eines lebendigen und fühlenden Wesens aus dem Kopf schlagen. Kein Tier (auch kein Hamster, Hund, Pferd oder Kaninchen) ist zur Befriedigung eigennütziger menschlicher Wünsche gemacht und sollte dementsprechend auch nicht dazu missbraucht werden!

Damit die Katze anhänglich, verschmust und zutraulich wird, muss sie keine Einzelkatze sein. Diese Eigenschaften sind vielmehr ein Zusammenspiel von Charaktereigenschaften, vergangener Erfahrungen und dem häuslichen Umfeld. Hat die Katze Vertrauen zu ihrem Menschen, fühlt sich wohl und ist zufrieden, so wird sie von sich aus Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten fordern. Auch Einzelkatzen können scheu und ängstlich werden.

Die gewünschte "Zutraulichkeit" und "Anhänglichkeit" einer Einzelkatze kann sich schnell zu penetrant aufdringlichem Verhalten auswachsen. Denn im Falle einer Einzelkatze bedeutet diese Art von Anhänglichkeit immer auch Abhängigkeit vom Besitzer: abhängig im Bezug auf Aufmerksamkeit, Kuschelmomenten und Zuspruch.

Ich habe keine Erlaubnis für eine zweite Katze

spielende Katzen

© L.W.Thiele
www.pixelio.de

Sind nicht alle beteiligten Personen von der Anschaffung von Katzen überzeugt oder dulden diese gar nur, kann die Lösung kleinerer und größerer Probleme im Zusammenleben mit Katzen extrem schwierig werden.

Wichtig ist, dass von Anfang an klare Verhältnisse und Kompromissbereitschaft geschaffen werden. Besonders die grundlegenden Bedürfnisse einer Katze, wie artgerechte Ernährung, tierärztliche Versorgung, aber auch soziale Kontakte müssen vor der Anschaffung eines neuen Familienmitglieds geklärt sein. In diesem Punkten muss Einigkeit zwischen den Parteien herrschen. Sind selbst solche Grundfragen Auslöser für Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen, sollte von der Anschaffung einer Katze abgesehen werden!

Soll mit Einverständnis aller Personen doch nur eine Einzelkatze angeschafft werden, so sollte man ein erwachsenes Tier wählen, dass bereits durch seine Vergangenheit an soziale Isolation gewöhnt und als ausgewiesene Einzelkatze vermittelt wird. Keinesfalls sollte dann ein Kitten angeschafft werden.

Es gibt aufgrund von Haltungsfehlern bereits genug Katzen, die vom Menschen zum Einzeltier gemacht wurden und auch daran gewöhnt sind, es sogar gar nicht anders kennen. Das Leben eines weiteren, noch sozialfähigen Kittens oder Jungtiers durch die Aufzwingung von Einzelhaltung eines wichtigen Lebensaspektes zu berauben ist weder nötig, noch besonders tierlieb.

ein Familienmitglied hat eine Katzenallergie und verträgt nur diese Katze

Die sogenannte Katzenallergie ist eine körperliche Reaktion auf bestimmte Proteine im Speichel der Katze. Ob Kurzhaar-, Langhaar oder sogar Nacktkatze: Allergien können bei jedem Tier auftreten, in nicht seltenen Fällen sogar nach jahrelanger, symptomfreier Haltung.

Eine Katze aufgrund von Allergien als Einzeltier zu halten ist aus der Sichtweise artgerechter Haltung genauso wenig überzeugend wie jeder andere vorgebrachte Grund. Je nach Grad der allergischen Reaktionen kann auch eine Desensibilisierungs-therapie helfen. Hierbei wird der Körper regelmäßig mit geringen Mengen des allergieauslösenden Stoffs in Kontakt gebracht. So kann eine Gewöhnung und die Linderung der Sympotme eintreten.

Merkt man, dass die Katze mit der Situation als Einzeltier unzufrieden ist, sollte man dem Tier zuliebe über eine Abgabe in in besser geeignetes Heim nachdenken.

meine Katze wurde mir vom Tierheim als Einzelkatze vermittelt, also bleibt sie dies auch

kuschelnde Katzen

© Sabine Jaunegg / www.pixelio.de

Aufgrund der begrenzten zeitlichen und menschlichen Ressourcen ist eine genaue Einschätzung des Tiers durch das Tierheim kaum möglich. Katzen, die sich dort als strikte Einzelgänger gebärden, können bei gesteigerter Zuwendung durchaus auch noch "gesellschaftsfähig" werden.

Hinzu kommt, dass der Aufenthalt im Tierheim für ein Tier immer ein "Ausnahmezustand" ist, in dem es sich seinem Charakter entgegen scheu, ängstlich oder aggressiv (gegenüber Artgenossen) zeigen kann. Die Räumlichkeiten im Tierheim bieten den Katzen in der Regel nicht genügend Ausweichmöglichkeiten, um zurückhaltenderen Katzen entsprechend Sicherheit und Ruhe zu vermitteln. Sie reagieren dann vollkommen anders, als sie es in ruhiger, häuslicher Umgebung tun würden.

Hat die Katze erst einmal den "Stempel Einzeltier" aufgedrückt bekommen, so ist ihr Schicksal meist besiegelt. Fälschlich abgegebene Einschätzungen können nicht nur der Katze, sondern auch ihrem zukünftigen Halter das weitere Leben erschweren. Kurz: Nicht jedes als "Einzelkatze" vermittelte Tier ist auch tatsächlich ein Einzelgänger. Leider nicht selten stellen sich solche Pauschalisierungen im Nachhinein als Fehleinschätzung heraus.

...aber Andere halten ihre Katze auch allein..

Sind alle anderen Argumente für die Haltung einer Einzelkatze entkräftigt, bleibt zuletzt häufig nur noch die Aussage, auch andere Personen würden ihre Katze allein halten. Die Katzen dieser "anderen Menschen" wären auch allein vollkommen glücklich und zeigten keinerlei Verhaltensstörungen. Aus diesem Grunde würde man die eigene Katze sicherlich auch alleine halten können.

Kitten und Mutterkatze

© Marcel Loos / www.pixelio.de

Mal ganz davon abgesehen, dass diese Aussage kein fundiertes Argument für die Einzelhaltung von Katzen und zudem auch noch sehr unreflektiert ist, sind die gemachten Beobachtungen, die aus dieser Aussage sprechen in der Regel mehr als zu kurz gegriffen.

Zum Einen werden Personen, die solche Aussagen von sich geben, sicherlich keine Langzeitbeobachtungen bei anderen Katzen durchführen und können nur wenig aussagekräftige Momentaufnahmen überblicken. Zum Anderen ist davon auszugehen, dass Menschen, die sich derart wenig für die Belange der Katzen interessieren, sich auch nicht wirklich ausgiebig mit deren Verhalten und Problemen auseinander setzen.

Provokativ gesagt: "Wer von diesen Menschen, die so etwas sagen, war lange genug bei der Katze, um ihr anzusehen, ob sie wirklich glücklich ist? Kann und wird der Halter der Einzelkatze auch wirklich auf Nachfragen hin zugeben, dass seine Katze Verhaltensprobleme hat? Dass sie die Wohnung vollpinkelt, Tapeten und Hände zerkratzt?" Man kann in den meisten Fällen davon ausgehen, dass beide Fragen mit einem eindeutigen "Nein!" zu beantworten sind.

Ganz unabhängig davon, ist die Aussage, dass andere Menschen auch eine bestimmte Verhaltens- oder Denkweise an den Tag legen, keine gute Begründung dafür, etwas selbst genauso zu machen. Besonders dann nicht, wenn man im Grunde weiß, dass diese Verhaltensweise falsch ist.

Personen, die diese Aussage vollkommen ernst meinen, sollten darüber nachdenken, warum das falsche Verhalten anderer Personen dazu führen soll, dass sie selbst falsch handeln und ihrer Katze damit etwas Wichtiges vorenthalten. Nur, weil Andere etwas falsch machen, wird es dadurch nicht richtig(er)! Als Letztes bleibt zu sagen, dass andere Katzen, die vielleicht wirklich nichts anderes als Einzelhaltung kennen und mit anderen Haltungsformen unglücklich wären, bei Weitem nicht die Regel sind. Also muss diese Eigenschaft nicht zwangsläufig auch auf die eigene Katze zutreffen.

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