Icon mobile Navigation
Du befindest dich hier: Startseite > das kurze Leben eines Vermehrerkaters

Drucker Icon

das kurze Leben eines Vermehrerkaters

Inhalt zuletzt aktualisiert am: 03.11.2014

Der Grund, warum ich heute so sehr darauf bedacht bin, andere Katzeninteressenten aufzuklären, heißt Teddy. Teddy wurde nur 3 Jahre alt. Er wurde nur 3 Jahre alt, weil seine Züchterin nur Profit im Kopf hatte. Weil sie mit kranken Katzen ohne Gesundheitsvorsorge gezüchtet hat. Er war Perser und das ist unsere Geschichte:

Ich weiß nicht warum, aber Perserkatzen haben mich schon immer fasziniert. Vielleicht sind es ihre großen Augen, vielleicht ihr rundes Köpfchen, vielleicht ihr fluffiges Fell, vielleicht auch ihr rundlicher Körperbau. Oder aber alles zusammen. Für mich war schon lange klar, dass ich wenigstens einmal in meinem Leben einer solchen Katze ein Zuhause schenken wollte. Worauf man beim Kauf von Katzen und insbesondere Rassekatzen achten sollte, welche Erbkrankheiten, Gendefekte und Gesundheitstests es gibt, wusste ich vor knapp 10 Jahren noch lange nicht. Auch wusste ich nicht, dass es da draussen eine große Gruppe von unseriösen Menschen gibt, die sich zwar "Züchter" nennen, aber eigentlich nur skrupellose "Vermehrer" sind. Ich habe nicht geahnt, dass man so sehr übers Ohr gehauen würde, wenn man sich ein Kätzchen anschaffen möchte.

Heute bin ich schlauer, ja. Aber ich musste es auf die harte Tour lernen. Musste viel Geld zahlen, zahllose Tränen vergießen und konnte am Ende doch nicht verhindern, was meinem armen kleinen Kater zugestoßen ist. Sicher hätte ich dies auch mit meinem heutigen Wissen nicht verhindern können und wenn Teddy nicht bei mir qualvoll gestorben wäre, wäre er es in einem anderen Zuhause. Aber man macht sich nach so einer Erfahrung Gedanken.

Ich hatte damals eine Stange Geld gespart, um mir endlich meine erste Rassekatze - eine Perserkatze - zu kaufen. Wochenlang habe ich Anzeigenblätter gewälzt, Tierzeitschriften durchforstet und Aushänge bei Tierärzten studiert: einen Internetanschluss hatte ich damals noch nicht. Irgendwann stieß ich auf eine kurze, knappe Zeitungsannounce, die mit gesunden, hübschen Perserkitten warb und das sogar noch in meinem Wohnort. Was für ein Wink des Schicksals! Ich rief dort an und eine nette Dame erzählte mir über ihren Wurf. Sie lud mich ein, ein paar Tage später doch selbst einmal einen Blick auf die Kleinen zu werfen. Das tat ich auch.

Als ich dort ankam wurde ich freundlich empfangen und hatte schnell das Gefühl, dass die Dame wirklich an ihren Katzen interessiert ist. (vermutlich war es aber eher das Geld in meiner Tasche, wie ich mir im Nachhinein denke). Die Kitten, die sie mir präsentierte, waren zwar noch zu jung zur Abgabe, aber sie machten einen kräftigen, gesunden Eindruck. Schnell hatte ich mein Herz an das einzige kleine Katerchen aus dem Wurf verloren: cremefarben und zuckersüss! Leider, so erklärte mir die Dame, hätte der Kleine einen Knickschwanz, weswegen sie ihn - wie sie eigentlich geplant hatte - nicht in eine befreundete Zucht verkaufen könne. Natürlich freute mich das umso mehr, denn damit war klar, dass der Kleine für mich frei war.

Es wurde vereinbart, dass ich den kleinen Kater im Alter von 12 Wochen zu mir holen könne. Bis dahin sei er geimpft und entwurmt. Einen Stammbaum allerdings könne sie mir nicht ausstellen lassen, das war mir aber zu diesem Zeitpunkt egal, denn für ein Liebhabertier war mir dieser damals nicht wichtig.

Ich holte den Kleinen also freudestrahlend am ausgemachten Termin ab - ohne Impfpass, aber darum machte ich mir damals keine Gedanken - und brachte ihn in sein neues Zuhause. Etwa 2 Jahre lang war für uns die Welt in Ordnung. Er war ein vorbildlicher, lieber kleiner Kerl: stubenrein, gut sozialisiert, verschmust und anhänglich. Teddy war mein einziger Kater, passte perfekt in unsere kleine Katzentruppe und war mein kleiner, heiß geliebter Perser-Prinz.

Irgendwann fingen dann die Anfälle an. Zuerst nur kurz und kaum wahrnehmbar ging ein Zittern durch seinen kleinen Körper. In solchen Momenten war er weit weg, reagierte auf nichts und schien danach vollkommen erschöpft. Ich machte mir Gedanken und besuchte einen Tierarzt. Der diagnostizierte ein leichtes Herzgeräusch, was aber keinerlei gesundheitliche Folgeschäden nach sich ziehen sollte. Schon da hätte ich misstrauisch werden sollen. Aber ich wurde es nicht. Stattdessen gingen ein paar Monate ins Land, bis die Anfälle stärker wurden. Eines Nachts brach er auf dem Bett zusammen, jammerte kläglich und machte unter sich. Unser Weg führte uns in eine Notfallklinik. Dort untersuchte man ihn und vermutete Epilepsie. Ich bekam ein starkes Beruhigungsmittel für ihn mit und wurde verabschiedet.

Heute weiß ich, dass man bei Epilepsiekatzen weitaus mehr machen sollte. Aber damals nicht. Also verließ ich mich darauf, dass man uns kompetent geholfen hatte und es das Einzige, was ich für Teddy tun konnte, war, ihm beim nächsten Anfall dieses Beruhigungsmittel zu spritzen.

Anfälle kamen und gingen. Nach einem sehr schlimmen Anfall saßen wir wieder mitten in der Nacht in der Tierklinik. Dort wurde plötzlich von schlechten Nierenwerten gesprochen. Ich bekam die lapidare Aussage, das demnächst mal checken zu lassen. Schlimm wäre es nicht, aber in ein paar Wochen sollte eine nochmalige Überprüfung stattfinden, um zu sehen, was genau vorliegt. So weit kamen wir allerdings nicht.

Wir kamen nicht so weit, weil Teddy nur wenige Wochen später tot sein sollte. Eines Abends bemerkte ich, dass er sich untypisch ruhig verhielt, auf den kalten Fliesen lag und sich nicht einmal für ein Schüsselchen Milch rühren wollte. Und wenn Teddy sich sogar für Milch nicht mehr rührte, musste es ganz schlimm sein! So war es dann auch. Der Moment, in dem ich ihn in den Transportkorb setzte, sollte der letzte Moment sein, den er zuhause verbrachte. Denn keine 24 Stunden später war er tot. Statt einem gemütlichen Kinoabend habe ich in dieser Nacht schrecklich bange Stunden in der Tierklinik zugebracht, hielt meinen schwachen Kater in den Armen und war vollkommen überfordert.

Teddy musste in die Intensivstation der Klink eingewiesen werden und ich wurde zurück nach Hause geschickt. Am nächsten Tag sollten Ultraschall, Röntgenbild und Blutuntersuchungen stattfinden. Bei dem Ultraschall wurden Veränderungen an Niere und Leber festgestellt. Vermutlich Tumore oder Zysten. Was es genau wäre, könne man erst nach einer Biopsie sagen. In seinem geschwächten Zustand wollte ich ihm aber keine Narkose zumuten. Ich fragte die Ärztin, ob er denn jemals wieder mit nach Hause käme - irgendwie hatte ich eine Vorahnung. Ich kann nicht mehr genau sagen, was mir die Ärztin antwortete, aber es war eindeutig.

Ich besuchte Teddy auf der Krankenstation und war erschüttert, wie sehr mein kleiner Prinz innerhalb weniger Stunden abgebaut hatte. Er war ganz strubbelig, aufgewühlt und ängstlich. Scheinbar hatte er Wahrnehmungsstörungen und schrie unaufhörlich. Heute weiß ich, dass diese Wahrnehmungsstörungen vermutlich durch die allmähliche Vergiftung des Körpers ausgelöst wurden. Ich wusste, dass er meine Nähe spürte, mich roch und meine Stimme wahrnahm. Er konnte nicht verstehen, warum er dort so alleine lag und nicht zu mir durfte.

All die angeschlossenen Schläuche, sein miserabler Zustand und die Prognose der Ärztin waren zu viel für mich! Auf dem Nachhauseweg von der Klinik war ich vollkommen hoffnungslos. Es wurde vereinbart, dass ich am nächsten Tag anrufen solle, um zu fragen, was die Untersuchungen ergeben hatten, ob Teddy Fortschritte gemacht hätte und um zu besprechen, wie das weitere Vorgehen sein sollte. Doch noch in der selben Nacht erhielt ich einen Anruf. "Teddy wird diese Nacht nicht überleben, wenn sie sich verabschieden wollen, sollten sie sich beeilen!" Das tat ich auch.

Was danach kam, daran denke ich nicht gern zurück. Zwar haben wir ihn von seinen Qualen erlösen können und ich war bei seinem letzten Atmenzug dabei, konnte ich ihn noch einmal streicheln und halten, aber all die Zweifel, die Vorwürfe und all die Wut die danach kamen, lassen die Zeit zu einer einzigen Tortur werden. Nach all der Recherche, all dem Graben nach Wissen weiß ich heute, was ich hätte besser machen können - hätte besser machen müssen. Heute weiß ich aber auch, dass all das Wissen, was ich heute habe, Teddy nicht vor dem Tod bewahrt hätten. Ein wenig beruhigt mich das. Aber es ist kein schöner Gedanke.

Heute, nach 6 vergangenen Jahren nach Teddys Tod, weiß ich, was Zysten an Katzennieren und -lebern verursacht. Heute kann ich mir zusammenreimen, worauf all die Anzeichen, die Teddy gezeigt hat, hindeuten. Und ich kann mir zusammenreimen, dass Gesundheitstests und Vorsorgeuntersuchungen von Teddys Eltern genügt hätten, um seinen Wurf gar nicht erst in die Welt zu setzen. Ich weiß, dass PKD* eine Erbkrankheit ist, die besonders häufig Perserkatzen betrifft. Dass die Zucht mit PKD*-kranken Katzen gegen das Tierschutzgesetz verstösst. Und dass seriöse Züchter ihre Katzen auf Erbkrankheiten untersuchen und nur mit gesunden Katzen Würfe erzeugen. Ich weiß, dass Leidensgeschichten wie die von Teddy vermeidbar sind. Sie sind vermeidbar, wenn man Acht gibt, welche Tiere man zur Zucht einsetzt. Wenn man sich um mehr als seine Geldbörse Gedanken macht.

Ich weiß, dass Rassekatzen eigentlich nicht qualvoll an Erbkrankheiten sterben müssen. Ich weiß, dass man viel Tierleid vermeiden kann, wenn man denn will. Und wenn es einem wichtig genug ist.

Heute weiß ich das Alles, doch es macht nichts besser.

Heute steht Teddys Asche in einer schlichten Holzurne in einer Vitrine in meinem Wohnzimmer. Sie ist sowohl Trostspender, als auch Mahnmal. Mahnmal für unser persönliches kleines Drama. Sie erinnert mich immer wieder daran, warum ich heute so sehr dafür kämpfe, dass Andere es einmal besser machen als ich.

Verfasser: www.Katzen-fieber.de
Stand: Juli 2012



* PKD ist eine Erbkrankheit, die besonders häufig bei Perserkatzen auftritt. Es bilden sich im Laufe des Lebens Zysten - vor allem an den Nieren - und beeinträchtigen so die Funktion die Organe. Der kleine Katzenkörper vergiftet sich somit selbst und die Katze stirbt. Mit Behandlungen und Therapien kann man der Katze noch ein wenig Lebenszeit verschaffen, trotzdem ist der Tod unausweichlich.

Es ist möglich, PKD bei Katzen auszuschließen und gesunde Tiere zu züchten, dazu sind entsprechende Gesundheitstests der Elterntiere notwendig. Unseriöse Vermehrer legen darauf allerdings meist keinen Wert und erhöhen so das Risiko, kranke Kitten zu produzieren.


Drucker Icon

aus unserem Blog:

folgt...

Buchtipps:

folgen...